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Rauchen in der Schwangerschaft schädigt auch das Ungeborene


Die schädlichen Auswirkungen des Rauchens dürften jedem bekannt sein. Besonders schwerwiegende Folgen für das noch ungeborene Kind hat Rauchen während der Schwangerschaft. So fanden australische Forscher von Sydneys Universität heraus, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben, über geringere Blutwerte des High-Density-Lipoproteins (HDL) verfügen. HDL hat die Aufgabe, das überschüssige Cholesterin aus den Körperzellen aufzunehmen und es zur Leber hin zu leiten. Dadurch reduziert sich deutlich  das Risiko möglicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. einer Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). In der Online-Ausgabe des Fachmagazins „European Heart Journal“ ist von dem Wissenschaftler Julian Ayer aus dem Royal Prince Alfred Hospital /Sydney und seinem Team ein Artikel über diese Erkenntnis veröffentlicht worden. 

Die Studienergebnisse der Forscher aus Australien belegen, dass die Gesundheit der Kinder von während der Schwangerschaft rauchenden Müttern auf Jahre  belastet ist. Julian Ayer und seine Kollegen erklärten, dass die Produktion des Cholesterins HDL, welches eine herzschützende Wirkung hat, über Jahre bei den Kindern deutlich behindert sei. Dies komme zu den bereits bekannten gesundheitlichen Auswirkungen hinzu. Ein erheblich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei die Folge. Davis Celermajer, ebenfalls von der Universität in Sydney und an der Untersuchung beteiligt, sagt: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass das Rauchen schwangerer Frauen ihren Kindern schon im Mutterleib eine Serie ungesunder Eigenschaften mitgibt. Diese könnten später anfälliger für Herz- und Schlaganfälle sein.“ In vergangenen älteren Studien wurden bereits viele negative Konsequenzen des Rauchens während der Schwangerschaft auf die künftige Entwicklung des Kindes bestätigt. Zu einem weiteren sehr überraschenden Ergebnis kam eine Studie von US-Wissenschaftlern der Harvard Universität im November vergangenen Jahres: Es wurde ein Zusammenhang zwischen Rauchen während der Schwangerschaft und einer  kriminellen Entfaltung der Kinder festgestellt.

Von den australischen Wissenschaftlern wurde nun im Rahmen ihrer Untersuchungen eine jahrelange Ausschüttungshemmung des Cholesterins HDL bei den betroffenen Kindern nachgewiesen. 405 achtjährige Kinder von Raucherinnen während der Schwangerschaft wurden von den Wissenschaftlern um Julian Ayer untersucht. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass von den untersuchten Kindern der HDL-Wert auch mit acht Jahren  noch ca. 15% unter den Blutspiegel -Werten von denjenigen Kindern lagen, deren Mütter nicht geraucht hatten. Auch unter Berücksichtigung von weiteren Einflüssen habe sich ein Zusammenhang ergeben, so wie beispielsweise der Ernährung, Passivrauchen, körperlichen Aktivitäten oder möglichem Übergewicht, berichteten die australischen Wissenschaftler. So erklärt David Celermajer von der Universität Sydney, dass die Kinder der Raucherinnen einem „10 bis 15% höheren Risiko von Herzkrankheiten“ unterworfen sind. Das könnte  für „mindestens die ersten acht Jahre, oder aber auch viel länger“ bestehen. Die australischen Wissenschaftler schätzen, dass sich die niedrigen HDL-Werte auch mit weiteren Jahren, bis hin zum Erwachsenenalter, nicht normalisieren würden.

Viele werdende Mütter rauchen dennoch trotz der Gesundheitsrisiken für ihre Kinder. Die Wissenschaftler schätzen ein, dass in den westlichen Ländern ca. 15 % schwangere Frauen rauchen. Weil später ihre Kinder erhebliche gesundheitliche Folgen erleiden könnten, sollten die während der Schwangerschaft rauchenden Mütter die Ärzte nach der Geburt konsultieren und bestimmte Risikofaktoren bei den heranwachsenden Kindern beobachten lassen, beispielsweise Bluthochdruck oder „das schlechte Cholesterin“ – das Low Density Lipoprotein (LDL), so Celermajer.  Nach Aussage des Experten ist eine Verbesserung des HDL-Spiegels durch regelmäßige sportliche Aktivitäten und einer gesunden Ernährungsweise möglich.  Zu einer deutlichen Verbesserung der HDL-Werte könne Ausdauersport und der Verzehr – statt tierischer Fette – von pflanzlichen Ölen, die ungesättigte Fettsäuren enthalten, beitragen. Aber Julian Ayer und seine Kollegen schlussfolgern, dass die betroffenen Kinder die durch das Rauchen der Mütter während der Schwangerschaft ausgelösten Beeinträchtigungen vermutlich lebenslang behalten.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 29.06.2011 - 22:07 Uhr
Kategorie: Medikamententester News