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Rechte gestärkt bei anonym gezeugten Kindern


Vom Oberlandesgericht Hamm wurde verkündet, dass eine Samenbank einem Kind, welches anonym gezeugt wurde, seinen leiblichen Vater namentlich benennen muss. Eine 21jährige Frau hatte geklagt, um Kenntnis über ihre Abstammung zu erhalten.

Köln/Hamm. Der Anwalt von Sarah P. sagte, dass seine Mandantin sehr erleichtert und glücklich gewirkt habe, nachdem in Hamm das Grundsatzurteil gefallen war. Das Oberlandesgericht hat entschieden, dass diejenigen Kinder, die durch künstliche Befruchtung ihr Leben erhalten auch ein Recht auf die Identität ihres biologischen Vaters haben.

Erst in ihrem 18. Lebensjahr hatte die inzwischen 22-jährige aus dem Sauerland davon erfahren, dass sie einen Vater hat, der nicht der Ehemann der Mutter ist. Von dieser Nachricht soll sie psychisch schwer getroffen worden sein und fasste schließlich den Entschluss zu klagen. Hier wurde zum ersten Mal von einem sogenannten Spenderkind in Deutschland juristische Auskunft verlangt, woher sie genetisch abstammt. Das macht den Fall zu einer herausragenden Bedeutung.

Sarah P. war in erster Instanz mit ihrer Klage beim Essener Landgericht gescheitert. Der Beklagte, Prof. Thomas Katzorke aus Essen,  Chef  der größten Samenbank Deutschlands, hatte geltend gemacht, dass aus dem Jahr 1990 alle Daten und Akten gelöscht seien. Die Aufbewahrungspflicht habe seinerzeit nur einen Zeitraum von zehn Jahren umfasst. Die Fristen wurden erst ab 2007 auf dreißig Jahre verlängert. Katzorke verwies auch in dem Prozess vor dem Oberlandesgericht auf die nicht mehr verfügbaren Daten. Katzorke nimmt eine Pionierstellung in der Fortpflanzungsmedizin ein.

Bereits seit ca. 100 Jahren sind Samenspenden medizinisch möglich. Sie unterlagen nie einem Verbot, es gab aber auch keine gesetzlichen Grundlagen dafür. Samenspenden galten unter Ärzten lange Zeit als sittenwidrig.  Erst 1970 auf dem 73. Deutschen Ärztetag und auf dem 65. Deutschen Juristentag im Jahre 1986 wurde mehrheitlich entschieden, Samenspenden standesrechtlich und berufsethisch zu akzeptieren. Die Kosten für Samenspenden liegen bei ca. 500 – 700 Euro pro Zyklus und werden nicht von den Kassen übernommen. Heute können Paare, die verheiratet sind oder nicht, Samenspenden in Anspruch nehmen.  Als Graubereich, aber nicht verboten gelten Samenspenden an Singles oder gleichgeschlechtliche Paare.

Auf wenig Glauben stoß Katzorkes Darstellung vor Gericht. Es wurde von ihm ein überzeugender Nachweis verlangt, dass tatsächlich keine entsprechenden Unterlagen bei ihm mehr vorhanden sind. Ansonsten drohen dem Gynäkologen Zwangsgelder, ja sogar Beugehaft. Ob die Klägerin selbst vom Richterspruch profitieren kann, ist fraglich, trotz des juristischen Erfolges.

Das Urteil dürfte über den Fall hinaus weitreichende Folgen haben. Bisher sind über eine anonyme Samenspende ca. 100 000 Menschen zur Welt gekommen. Folgen wird es ebenfalls für Betreiber der Samenbanden haben. Zumindest theoretisch haben nun Betroffene die Möglichkeit, Näheres über ihre Genetik zu erfahren.

Bisher konnten die Spender auf ihre Anonymität vertrauen. Sie galten nach dem bisherigen Recht nur als Erzeuger. Wie werden sie reagieren?

Die Reproduktionsmedizin muss am meisten umdenken, sollte sie sich auf den Paradigmenwechsel einlassen. Mittelfristig könnte dies das Urteil bewirken. Kenner vermuten, dass potenzielle Samenspender das Interesse daran wegen der aktuellen Lage vorübergehend verlieren könnten. Es werde aber nicht zu einem regelrechten Einbruch kommen.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 18.02.2013 - 19:55 Uhr
Kategorie: Medikamententester News