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„Restaurant von morgen" untersucht Essverhalten


In Holland essen Probanden in einem Forschungsrestaurant für die Wissenschaft. - Gesunde Ernährung ist Zweck der Motivation.

Wageningen - "Nicht stören bitte - Forschung!" Die Türen des Labors der Universität Wageningen in Holland werden geschlossen, damit dahinter ungestört gegessen, probiert und verkostet werden kann. Gegessen, probiert und verkostet wird im Namen der Wissenschaft. Hier wird das Essverhalten der Probanden auf dem Universitätsgelände und dem anschließenden "Restaurant von morgen" erforscht. Wer isst was, wie, wann und weshalb? Warum dauert es bei Frauen länger ihre Speisen auszuwählen als bei Männern, die rasch mit ihrer Auswahl fertig sind. Einzigartig in Europa ist das Projekt an der UNI in Wageningen. Dieses soll neue Erkenntnisse der Restaurantbranche und der Lebensmittelindustrie bringen. Einer der Wissenschaftler (Dick Stegeman) sagte: "Das Verhalten der Konsumenten wollen wir verstehen." Z.B. wie soll ein Speisesaal aussehen für ältere Menschen, wie kann man die Leute dazu bringen, sich gesünder zu ernähren, oder warum die Menschen anfangen zu essen bzw. wieder damit aufhören.

Körper & Geist

Beim Essen werden In den High Tech-Labors die unmittelbaren Reaktionen der einzelnen Probandinnen und Probanden untersucht. Das Gehirn der Testpersonen wird beobachtet, wie es auf einen bestimmten Geschmack oder einen Geruch reagiert. Vor mehreren Schläuchen sitzt der Proband wie in einen Zahnarztstuhl. Diese versprühen zunächst einen Duft und verabreichen dann eine Flüssigkeit. "Nacheinander untersuchen wir den Effekt der zwei Stoffe", sagt Stegeman. "Wie reagiert das Gehirn der Probanden auf die Dauer während die Flüssigkeit im Mund behalten wird." Mittels Elektroden auf Gesicht und Zunge wird im "Oral Lab" die Reaktionen beim Essen beobachtet. Wie verändern sich nun die Geschmacksknospen und die Gesichtsmuskeln durch das verabreichte Essen? Im "Experience Lab" wird der Einfluss auf das Verhalten beim Essen durch Farben, Licht, Gerüche oder Geräusche untersucht.

Forschung im Restaurant

Ohne dass es die Probandinnen und Probanden merken, werden die Einflüsse im angrenzenden "Restaurant von morgen" erprobt. Universitätsangehörige kommen anderswo auch in die betriebliche Kantine, um ihr Essen einzunehmen. Nudelsalat, Fischweckerln, Erdbeerjoghurt, Gemüsesuppe oder Bratwurst, alles ist angerichtet. Die Probanden wählen ihr Essen, bezahlen ganz normal an der Kasse und setzen sich dann in den Speisesaal. Man ahnt nicht, dass es sich hierbei um wissenschaftliche Arbeiten handelt. Aber der Schein trügt. An der Decke des Raumes befinden sich zahlreiche Kameras. Kein Winkel des Raumes bleibt unerfasst. Alles wird aufgenommen, jeder Schluck, jeder Bissen, jeder Nachschlag der Probanden wird aufgezeichnet. Eine versteckte Waage befindet sich zusätzlich vor der Kasse, die das Gewicht und den BMI der Probanden misst. An den Stühlen befinden sich Sensoren, die die Herzfrequenz abtasten. Der Speisesaal wird von 3 der 20 Mitarbeiter auf Monitoren in einem Kontrollraum überwacht.

Essen unter Beobachtung

Das Umfeld der Probanden können die Leiter des Forschungsspeisesaals manipulieren. Die Probanden glauben mehr gegessen zu haben, wenn sie von kleineren Tellern speisen. Trinken die Testpersonen aus roten Tassen Kaffee, wird dieser stärker empfunden als Kaffe aus weißen Tassen. Liegt ein süßer Duft in der Luft, bekommt man Lust auf Nachschlag. Langsamer und mehr gegessen wird dagegen bei einen rotem Licht. "Alle können zu uns kommen, um in der Kantine zu essen", sagt Stegeman. Die Probanden müssen sich aber einverstanden erklären, und das auch unterschreiben, dass der Besuch in der Kantine wissenschaftlichen Zwecken dient und beobachtet wird. Die Probanden benehmen sich nicht anders als sonst, obwohl sie beobachtet werden. Diese Gefahr besteht erstaunlicherweise nicht, dies könne man auch daran sehen, dass die Probanden auch hier ungeniert in der Nase bohren.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 26.04.2010 - 19:34 Uhr
Kategorie: Medikamententester News