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Schachspiel einmal anders: Via Brain-Computer-Interface


Aus Berlin kam von der TU die Meldung von einem großen wissenschaftlichen Erfolg: Dr. Michael Tangermann testet mit einem Probanden Schach per Gedankensteuerung – eine Technologie des „Brain-Computer-Interface“ (BCI). Das heißt, eine lernfähige Technologie passt sich minutenschnell an einen Spieler an. Die unmittelbare Spielsteuerung ist kombiniert über die visuelle Aufmerksamkeit. Die gelungene Demonstration verblüffte außerdem dadurch, dass Computer und Proband kein eingespieltes Team waren.

Erst kurz vor Spielbeginn trafen sie über ein BCI (Brain-Computer Interface) erstmals aufeinander. Der Spieler steuerte dabei die Bewegung und Auswahl der Schachfiguren nur durch visuelle Aufmerksamkeit. In den vergangenen Jahren wurde bereits bei der BCI-Forschung über Bewegungsvorstellungen gesteuert. Die technische Innovation sagt folgendes aus: Das neue System der Kommunikation  kann nicht nur lernen, sondern kann auch hoch adaptiv auf  den Spieler reagieren und schwankendes Aufmerksamkeitsniveau erfassen.

Die Forscher Prof. Dr. Klaus-Robert Müller und Dr. Michael Tangermann (Fachgebiet Maschinelles Lernen TU, Berlin)  haben mit ihrem Team diese einzigartige Technologie im Rahmen des Projekts Tools For Brain-Computer Interaction (TOBI) entwickelt. Das Brain-Computer Interface (BCI) aus Berlin, die Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer, kann sich in kaum zehn Minuten auf das EEG (Elektroenzephalogramm) des Spielers einstellen. Es ist in der Lage, die Hirnsignale zu entschlüsseln und unmittelbar die Schachsoftware anzusprechen.

Der Leiter des TOBI Michael Tangermann sagt zu diesem Projekt, dass sich gerade Schach, als das Königsspiel (anspruchsvoll, kein zeitkritisches Strategiespiel) sich in besonderer Weise hierfür eigne. Es kann per BCI gegen den Computer oder ein Internet-Spiel eingesetzt werden, die motorische Einschränkung des Spielers wird dadurch nebensächlich.

Während der langen Nacht der Wissenschaften an der Technischen Universität Berlin findet am 2. Juni dieses Jahres die erste öffentliche Vorführung von diesem Experiment im Rahmen der „Großen Wissenschaftsshow“ ab 20.00 Uhr statt. Adresse:  10623 Berlin, Technische Universität, Hauptgebäude: Haus der Ideen, Straße des 17. Juni 135,  Audimax

Der eigentliche Sinn und Zweck des Forschungsprojektes beruht darauf, Personen oder Patienten, die gelähmt sind oder unter unzureichender Muskelkontrolle leiden, darin zu unterstützen, mit Hilfe eines derartigen Systems sich stärker innerhalb kurzer Zeit sozial integrieren zu können, um ihre trotz des körperlichen Handycaps oft ungebrochenen geistigen Fähigkeiten ihrer Umwelt gegenüber zu beweisen. Unter vielen ist Schach dabei ein Anwendungsszenario: In verschiedenen Bereichen des Alltags haben klinische Studien bereits das Steuerungsprinzip eingesetzt: Zum Beispiel die mittels Gedanken gesteuerte Nutzung eines Webbrowsers, eines Musikplayers, eines Online-Fotobuchs oder der Software von einem sozialen Netzwerk.

Nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit sind derartige herausfordernde Projekte erfolgreich. So wie sie zwischen der Technischen Universität Berlin, der Berliner Charité und des TOBI – Projekts und seinen Partnern erfolgreich verlaufen ist.

Das Projekt wird im Zuge des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms (FP7-224631) gefördert.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online
Veröffentlicht am: 09.06.2012 - 15:49 Uhr
Kategorie: Medikamententester News