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Schwangerschaftsverhütung bei Männern


Bisher waren bei der Verhütung nur die Frauen zuständig, die männliche Beteiligung daran gestaltete sich als äußerst schwierig. Schwangerschaftsverhütung, an denen sich Männer beteiligen, diese Vorstellung ist nicht neu. Es gibt bisher das übliche Kondom oder gar die Sterilisation. Nachdem jahrzehntelang geforscht wurde, hat man eine Hoffnung auf eine Verhütungsspritze für den Mann gesetzt. Sie wirkt mit Hormonen, wie wir es von der Pille für die Frau her kennen. An dem Universitätsklinikum Halle wird diese Methode untersucht. Die Leitung des Zentrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie hat Direktor Hermann Behre. Das Klinikum in Halle wurde aus zehn Instituten aus aller Welt für diese Studie einer Verhütungsspritze für den Mann benannt.

Es besteht schon lange der Wunsch, vor allem bei den Frauen, dass auch der Mann sich an der Verhütung beteiligen möge. Es solle noch eine andere Alternative geben zu den bisher praktizierten Methoden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist an der Forschung sehr interessiert und finanziert zum größten Teil die Studie. Sie hat vor allem die Entwicklungsländer im Visier und nicht nur Deutschland und die USA. Behre sagt, dass das Spektrum der Kontrazeptiva erweitert werden müsse, um die Auswahl zu erleichtern und die Akzeptanz bei den Männern zu fördern. In der neuen Studie will man herausfinden, wie die neue Verhütungsmethode mit der Spritze angenommen wird, neben den anstehenden medizinischen Fragen.

Die männlichen Testpersonen werden zunächst über den Studienverlauf informiert und eine Voruntersuchung erfolgt. Danach wird den Testpersonen zweimonatlich eine Verhütungsspritze verabreicht. Die Teilnehmer und ihre Partnerinnen werden per Fragebögen während der Studie über ihre Empfindungen und Erfahrungen abgefragt. Die Ergebnisse werden der WHO weitergeleitet, die sehr daran interessiert ist, ob zum Beispiel Verhaltensstörungen bei den Probanden auftreten oder soziale, psychische Effekte in Erscheinung treten. Die Probanden werden regelmäßig untersucht, um Nebenwirkungen festzustellen. Dabei stellte Behre fest, dass keine Nebenwirkungen in körperlicher und psychischer Hinsicht vorhanden waren. Auch findet Behre die Studie nicht riskant für die Testpersonen, da die Wirkstoffe, die in der Verhütungsspritze vorhanden sind, schon lange medizinisch verwendet werden.

Eine ungewollte Schwangerschaft tritt bei dieser Methode genauso wenig auf wie bei den bekannten Kontrazeptiva. Die Studie soll beweisen, dass die Verhütungsspritze nicht schlechter ist. Die Spermienzahl der Probanden wird regelmäßig untersucht und muss gegen Null tendieren, ehe das Paar auf andere Verhütungen verzichten kann. Die Spermienproduktion wird mit dem Hormon Testosteron, das in der Verhütungsspritze enthalten ist, unterdrückt. Testoteron ist für das Wachsen und Reifen der Spermien verantwortlich und wird im Hoden gebildet. Ein Signal im Gehirn löst die Hormonproduktion aus. Durch die zusätzliche Gabe des Hormons wird die Konzentration im Blutkreislauf erhöht und unterdrückt dadurch die Spermienproduktion.

Da Testosteron nur im Hoden gebraucht wird, in kleinen Mengen aber in den Blutkreislauf übergeht, gelangt es an die Gehirnrezeptoren. Wird von dem Gehirn ein niedriger Hormonspiegel registriert, kommt von ihm das Signal an den Hoden, Testosteron zu produzieren. Ist die Konzentration im Blutkreislauf normal, bleibt das Signal aus. Behre meint, mit der Verhütungsspritze wird das Gehirn etwas ausgetrickst. Allerdings können ca. sechs Monate vergehen, ehe die Spritze wirkt. Nach Absetzen der Spritze ist die Spermienanzahl in drei bis sechs Monaten wieder am Anfangswert. Da die Spermienproduktion bei Männern laufend unterdrückt werden muss, bei Frauen die fruchtbaren Tage zur Eireife nur einmal monatlich auftreten, ist die hormonelle Verhütung bei Männern so schwierig. Das ist „der kleine Unterschied“ bei der ganzen Sache, erklärt Behre.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 07.05.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News