Ihr Medikamenten Informationsportal
Wissenswertes für Probanden
Kontaktadressen-Liste für Kliniken

Sicher in der Rechtschreibung mit dem Morphemprogramm


In Graz wurde von Psychologen eine neue Methode vorgestellt, die Schülern mit Problemen in der Rechtschreibung helfen soll. Die Doktorandin Nadja Kozel arbeitet am Institut für Psychologie der Universität Graz und hat sich unter dem Motto „Kampf dem Fehlerteufel“ vorgenommen, in einem neuen Programm Lese- und Rechtschreibschwächen besser zu überwinden. Bisher kannte man nur die altbekannten Merkstützen wie zum Beispiel „wer nämlich mit „h“ schreibt ist dämlich“ oder die Hinweise, wann „das“ mit „s“ oder mit „ß“ oder auch mit „ss“ geschrieben wird (wenn man für „das“ dieses oder welches einsetzen kann) oder man es in der Umgangssprache als „des“ verwenden kann, so ist es ein Artikel oder Relativpronomen und wird ein Bindewort, wenn es mit „ß“ bzw. „ss“ geschrieben ist.

Eine ziemlich komplizierte Merkhilfe für die Schüler. Nadja Kozel will mit ihrer neuen Idee den Fehlerteufel in den Heften der Schüler schneller vertreiben. Für ihre Diplomarbeit wurde sie 2009 mit einem Preis ausgezeichnet, der sich „Initiative Gehirnforschung Steiermark“ nennt. Gemeinsam mit dem Lese-Rechtschreib-Institut Graz entwickelte Kozel das Programm unter dem Motto: Besser Morpheme statt Silben. In einer anfänglichen Studie wurde bei jugendlichen Probanden im Alter von neun bis sechszehn Jahren ermittelt, ob ihre Schwächen eher in der Rechtschreibung (Legasthenie) oder im Lesen zu suchen sind. Danach wird das Trainingsprogramm ausgerichtet.

Nadja Kozel legt besonderen Wert auf den individuellen Zugang zu den Probanden. Sie registriert, ob die Probanden beim Lesen auch dessen Sinn verstehen und zieht außerdem die Probanden in das Grazer Projekt mit ein, in dem die Testpersonen sich dem neu entwickelten Computerprogramm „Morpheus“ unterziehen müssen. Zum besseren Verständnis: Morpheme sind die kleinsten, bedeutungstragenden Einheiten der Sprache. An einem Beispiel erläutert Kozel das Wort „Umfahrung“. Es enthält die Vorsilbe „um“ und als Nachsilbe „ung“. Der Wortstamm „fahr“ wird stets mit einem Dehnungs-h geschrieben. Wenn sich das das Kind merkt, kann es das Gelernte auf eine Vielzahl von Wörtern anwenden und muss nicht jedes einzelne Wort richtig zu schreiben lernen. Die jugendlichen Probanden werden parallel zu den Anfangsübungen einem EEG (Elektroenzephalogramm) unterzogen. Es ist eine neurowissenschaftliche Messtechnik, bei der die Gehirnströme und somit die Auswirkungen während der Übungen auf die Aktivitäten des Gehirns untersucht werden.

Für die Auswertung wird den Kindern eine Elektrodenhaube auf den Kopf gesetzt. Dabei stellte sich heraus, dass bei den Probanden mit einer Lese- Rechtschreibstörung eine geringe Aktivität in den Arealen des Gehirns für Sprache zu verzeichnen war. Nach einem fünf-wöchigem Training war dieses Gehirnareal aktiviert worden, wie eine weitere EEG-Untersuchung zeigte. Kozel sagt, dass in der Schule der Morphemansatz nicht erklärt wird. Die konventionelle Methode, die aus der Zerlegung eines Wortes in Silben besteht, wird auch im Förderunterricht für rechtschreibschwache Schüler angewendet. Diese können aber mit dieser Methode verwirrt werden. Wenn zum Beispiel das Wort „Rückmeldung“ in einzelne Silben zerlegt wird – in „Rück“, „mel“, „dung“ tritt das Morphem „meld(en)“ nicht in Erscheinung. In dem neuen Grazer Trainingsprogramm legt man mehr Wert auf die Regel der Wortstämme und erklärt sie. Mit dem Sinn des Wortes ist es für die Schüler leichter, die richtige Schreibweise zu finden.

Es ist noch nicht festgestellt worden, ob es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt. Rechtschreibschwache Mädchen verhalten sich ruhiger und passiver, wenn sie unsicher sind. Aber dann gibt Kozel zu, dass sie vorwiegend mit Jungen zu tun habe. Gründe für einen Unterschied können auch genetische, biologische oder auch soziale Aspekte sein. Am Institut läuft eine Übungsphase fünf Wochen mit je einem Präsenztag. Die Probanden erhalten während dieser Zeit spielerische Aufgaben am PC oder auch Übungen mit Papier und Bleistift. Auch Hausaufgaben gibt es bis zum nächsten Training im Institut. Die Wissenschaftlerin sucht für ihre Übungsreihe noch Probanden! Es sind auch Kurse am Lese-Rechtschreib-Institut Graz und in der Außenstelle Wien möglich. Dort können Eltern ihre Kinder sofort das Morphemprogramm trainieren lassen. Nadja Kozel findet die Grundlagenforschung gut und es interessiert sie die Anwendung. Das Datum der Fertigstellung der Dissertation soll im Sommer 2011 sein. Deshalb ist geplant, noch ein Morphemprogramm für Englisch anzubieten.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 06.06.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News