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Skandalöse Machenschaften bei Organspenden


Im Universitätsklinikum Göttingen wurden von Ärzten Krankenakten manipuliert, um ausgesuchten Patienten eher zu einer Spenderleber zu verhelfen. Außerdem handelt es sich hierbei keineswegs nur um einen Einzelfall.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dass an der Universitätsklinik Göttingen Dokumente gefälscht, Testergebnisse erfunden und Laborwerte manipuliert wurden. Organe wurden an ausgewählte Patienten verschoben, der Skandal weitet sich umfassend aus. So war bereits im Juni der Fall eines russischen Patienten bekannt geworden. Aber es soll sich insgesamt um über zwei Dutzend Fälle handeln, schreibt die Zeitung.

Bei Ermittlungen kam heraus, dass Dialyseprotokolle manipuliert oder sogar frei erfunden waren, ebenso die Laborwerte. Die Patienten seien auf diese Art auf dem Papier als bedürftiger nach einem Spenderorgan erschienen, als sie es in Wirklichkeit waren. Die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant teilte diesen Patienten schneller eine Spenderleber zu. Zurzeit wird von der Staatsanwaltschaft gegen einen Oberarzt ermittelt.

Der Strafrechtler Prof. Hans Lilie der Universität Halle (Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer) ist der Ansicht, dass an den Datenmanipulationen mehrere Personen beteiligt gewesen sein müssen. Gegenstand der weiteren Ermittlungen wird sein, ob durch die bevorzugte Behandlung der Göttinger Patienten eventuell andere Patienten, die auch auf der Warteliste für eine Organtransplantation standen, Schaden genommen haben oder schon verstorben sind.

Staatsanwältin Serena Stamer aus Braunschweig sagte, unter anderem werde auch gegen den Oberarzt wegen Bestechlichkeit ermittelt. Es stehe noch nicht fest, ob Geld eine Rolle gespielt habe und ob die Daten mit Absicht gefälscht wurden. Der beschuldigte Oberarzt schweigt zu den Vorwürfen. Das Göttinger Universitätsklinikum betonte, dass gleich nach Bekanntwerden des Skandals der Oberarzt entlassen wurde. Ein neues Transplantationsteam kümmert sich um eine geregelte Betreuung der Kranken.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 31.07.2012 - 18:20 Uhr
Kategorie: Medikamententester News