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Statt ständig Medikamente schlucken, lieber ein verkürztes Leben


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San Francisco. Um ihre angegriffene Gesundheit wieder zu normalisieren nehmen viele Menschen Medikamente ein. Besonders chronisch Erkrankte können oft nicht mehr davon ablassen, obwohl sie es gern tun würden. Einer Studie zufolge würden viele Menschen anstelle ständig Pillen zu schlucken lieber Lebenszeit opfern.

Ein Arzt verschreibt seinen Patienten nicht ohne Grund Tabletten. Er meint es nur gut, wenn beispielsweise durch Betablocker ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt eingedämmt werden kann. Die meisten Patienten nehmen die verordneten Medikamente ihrer Gesundheit wegen auch willig ein. Der Blutdruck lässt sich mit Tabletten senken oder ein entgleister Fettstoffwechsel kommt wieder ins Lot. Auch kann eine tägliche Pille den Hormonhaushalt ordnen oder Blut verdünnen. Der einzige Grund dafür: einem frühzeitigen Tod entgegenzuwirken. Eine neue Studie kommt zu einem anderen Ergebnis, was durchaus nachdenklich stimmt.

Der Assistenzarzt Robert Hutchins von der University of California in San Francisco hat per Internet ca. 1000 Personen befragt und einige nicht vermutete, auch krasse Ergebnisse erhalten. Statt täglich Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Beschwerden einzunehmen, würde einer von drei erwachsenen Patienten lieber eine kürzere Lebenszeit in Kauf nehmen.

Im Fachblatt „Circulation“ wurden die Ergebnisse veröffentlicht: Jeder 5. Patient wäre bereit, die Pille gegen eine Zeitspanne von einer Woche bis zu einem Jahr einzutauschen, von den durchschnittlich fünfzigjährigen Befragten wären über 8 % bereit, bis zu 2 Jahre kürzer zu leben. Selbst auch dann, wenn für sie die Medikamente kostenlos und ohne Nebenwirkungen wären. Von den Befragten nahmen 80 % täglich mindestens ein Medikament ein und 21 % von ihnen wären für über 1400 Dollar (1200 Euro) bereit, keine Medikamente mehr einnehmen zu müssen. Hutchins zog daraus die Schlussfolgerung: Für einige Menschen bedeutet die ständige Medikamenteneinnahme eine Minderung ihrer Lebensqualität.

Nach den Forschungsergebnissen ist ein verordnetes Medikament vom Wert her individuell und das erklärt, weshalb Patienten manchmal nicht auf den Rat ihres Arztes hören, eine medikamentöse Behandlung einzuleiten. Oft stört die Patienten der Geruch, die Größe oder der Geschmack des Medikaments, wie aus vorangegangenen Untersuchungen belegt worden ist. Diese Ergebnisse, so glaubt Hutchins, könnten von Vorteil für neue Wege bei der Verabreichung von Medikamenten sein.

Und wie viele Patienten setzen ihre Medikamente einfach ab? Verschiedene Studien, darunter auch eine vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) sind in vorangegangenen und aktuellen Untersuchungen zu der Erkenntnis gekommen, dass von den befragten Patienten knapp ein Fünftel die verordneten Medikamente nicht regelmäßig einnimmt und nach einiger Zeit entsorgt oder im Arzneischrank einfach verschwinden lässt. Weitere 7,3 % gaben zu, teilweise auf ihre Medikamente zu verzichten, wenn sich ihr Zustand verbessert hat und 6,6% stellten die Einnahme der Medikamente ganz ein, wenn sie das Gefühl hatten, es ginge ihnen danach nur noch schlechter.

Es wurde bei der aktuellen Befragung leider die Tatsache nicht beachtet, dass das Einnehmen von Arzneimitteln nicht zwangsläufig eine Lebensverlängerung zur Folge haben muss. Es verbessern zwar - einzeln betrachtet - Mittel gegen Gicht, Bluthochdruck oder zur Blutverdünnung die Lebensqualität, aber sie können in Summe gefährliche Wechselwirkungen auslösen. Wenn ihre Wirkstoffe sich derart beeinflussen, kann der Patient auch daran sterben.

Jährlich gibt es in Deutschland ca. 10.000 bis 58.000 Sterbefälle, die auf nicht beachtete Wechselwirkungen von verschiedenen Medikamenten zurückzuführen sind. Professor Walter Haefeli (Universitätsklinikum Heidelberg) sagt dazu, dass heute jeder Patient die Klinik durchschnittlich mit 5 Medikamenten verlässt. Diese lösen 26 unterschiedliche Kombinationen aus und können sich auch noch gegenseitig beeinflussen.

Betroffen davon sind besonders die älteren Patienten, die ambulante Versorgung gehört dazu. Von den Patienten, die ein Alter von über 65 Jahren haben, nimmt ca. ein Viertel fünf ärztlich verordnete Medikamente ein. Von diesen Patienten ist nur jedem vierten klar, dass auch die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen ansteigt, wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden. Das zeigt eine Studie vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) an.

Letztendlich liegt die Entscheidung bei jedem selbst: Wie sehr hängt er an seinem Leben, welchen Weg hält er für den besten um froh und gelassen einem hohen Alter entgegen zu sehen. Was für eine Studie auch immer spielt dabei keine Rolle. Sie beweist nur, wie wichtig ein offenes Gespräch zwischen Patient und Arzt ist. Sonst bleiben die Wünsche des Patienten ein Mysterium und auch die Angst vor unerwünschten Wechselwirkungen der Medikamente.

 


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 25.02.2015 - 19:35 Uhr
Kategorie: Medikamententester News