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Steigendes Interesse für Cannabis-Rezepte


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Im März 2017 trat das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ in Kraft. Seitdem können Ärzte  per Betäubungsmittel-gesetz Cannabis verschreiben. Um das Gesetz wurde lange gerungen und ist für viele Patienten ein Glücksfall, denn ihre Beschwerden können sie nur mit Hilfe der Cannabisblüten lindern, nach jahrelangen, erfolglos durchlittenen Therapien. Allerdings weisen Kritiker auf eine diffuse Studienlage hin. Das sorgt auch für Unklarheiten bei ärztlichen Verordnungen. Als immer mehr Patienten einen Kostenübernahmeantrag für die Behandlung mit Cannabis stellten, winkten anfangs deshalb auch viele Krankenkassen ab mit der Begründung, dass die Voraussetzungen nicht erfüllt seien.

Der medizinische und juristische Umgang ist in Deutschland tatsächlich ausgesprochen hürdenreich und langwierig. Schon deshalb wächst bislang in deutschen Produktionshallen oder auf deutschen Feldern kaum Medizinal-Cannabis. Das Vergabeverfahren des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) an Hanfanbauer wurde im April 2018 vom Oberlandesgericht Düsseldorf gestoppt. Begründung: Es sei eine zu kurze Ausschreibungsfrist gewesen. Übrigens ist die Ausschreibungsfrist für den Anbau von Medizinal-Cannabis bereits ausgelaufen. Es ist damit zu rechnen, dass in deutschen Apotheken erst 2020 oder 2021 die ersten Cannabissorten aus Deutschland erhältlich sein werden.

Geschäftsführer vom Kölner Cannamedical, David Henn, als einer der größten Cannabis-Händler Deutschlands, umreißt das Firmenprofil: „Unser Pharmaunternehmen importiert Medizinal-Cannabis und verkauft es deutschlandweit an ein ständig wachsendes Netzwerk von bislang 2200 Apotheken.“

Unterdessen steigt das Interesse der Patienten an Cannabis rapide an. Daher befinden sich Pharmahändler auch im Aufwind. „Mit dem Medizinal-Cannabis haben wir auf dem deutschen Markt ein sehr hochwertiges Produkt. Es wird sehr stark kontrolliert, die Produktion erfolgt unter sehr strengen pharmazeutischen Auflagen und es wird ausschließlich aus ärztlicher Indikation verschrieben“, so Henn. Man erkennt an dieser Formulierung des Pharmaunternehmers und dessen vorsichtiger Argumentation, wie vermint das Gelände ist.

Henn ist es denn auch wichtig aufzuzeigen, dass es einen offensichtlichen Unterschied zum Kiffer gibt. „Beim Medizinal-Cannabis handelt es sich im Regelfall um Verdampfen. Dazu gibt es medizinisch zugelassene Hilfsgeräte. Es handelt sich aber auch um ein Produkt, das bei einer großen Zahl von Leiden Linderung verschaffen soll. Es darf bereits für 81 Medikationen verschrieben werden. Der Freizeitmarkt wird anderen überlassen“.

Dennoch ist das Kölner Unternehmen profitabel. Cannamedical erzielte 2017 einen Umsatz in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Für dieses Jahr wird ein Anstieg um fast das Zehnfache vorausgesagt. Zwei Tonnen Medizinal-Cannabis dürften wohl 20 Millionen Euro erbringen.

Wie kam es in Köln zur Gründung von Cannamedical? Bereits während seines Studiums an der Cologne Business School beschäftigte sich Henn mit der rechtlichen Situation und der Klassifizierung von Medizinal-Cannabis durch die Vereinten Nationen. „Es war die Entwicklung einer veränderten gesetzlichen Situation abzusehen, damit Patienten erstmals der Zugang zu einer therapeutischen Alternative möglich wurde.“

Medizinal-Cannabis durfte zum ersten Mal Mitte des Jahres 2017 importiert werden. Die Bundesopiumstelle erteilte den Kölnern Zulassungen als Großhändler, Importeur und Verteiler. Das Bundesgesundheitsministerium erhöhte die Liefermengen im August 2018 auf 1,5 Tonnen als Signal dafür, dass ein Markt vorhanden ist.

Kürzlich hat auch die Cannamedical Pharma einen Liefervertrag bekannt gegeben. Dabei handelt es sich um eine fixe Liefermenge von 9000 Kilogramm über die nächsten 36 Monate. Somit habe man insgesamt knapp 20 Tonnen gesichert. Der Markt stimmt die Kölner in der Perspektive zuversichtlich. In Kanada leben rund 36 Millionen Menschen, rund 250 000 erhalten medizinisches Cannabis. Auf  Deutschland übertragen könnten es hier bald eine Million Patienten sein.

Die Kölner erhalten in der Regel monatliche Lieferungen aus Kanada und den Niederlanden. Diese sind meist binnen weniger Tage verkauft. Die Blüten befinden sich in zertifizierten Hochsicherheitslagern, deren Standort Henn begreiflicherweise verschweigt. „Hier im Büro ist gar nichts!“ Ein Mitarbeiter, sollte er auch nur mit einem Gramm Cannabis im Büro erscheinen, wäre sofort entlassen. Bereits bis ins Jahr 2022 sind die Verträge mit den niederländischen und kanadischen Unternehmen abgeschlossen. 2200 Apotheken in Deutschland mit einer Betäubungsmittel-Zulassung werden von Cannamedical beliefert. „Der Markt wird garantiert expandieren. Wir nehmen stark an, dass sich in der Bevölkerung bis zu einem Prozent für eine Medikation mit Medizinal-Cannabis klassifiziert.“ Henn unterstreicht aber, dass immer der Arzt über eine Cannabis-Therapie entscheidet.

Aber auch hier sieht der Kölner Unternehmer einen Anstieg der Ärzte, die dem Trend positiv gegenüber stehen. Tatsache ist, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres die GKV in der Schmerztherapie für rund 30 Millionen Euro knapp 80 000 Verordnungen ausstellte. Bei cannabinolhaltigen Zubereitungen und Fertig-Arzneimitteln stiegen die monatlichen Bruttoumsätze von 2,3 Millionen im Juli 2017 auf knapp über 6 Millionen im Juni 2018.

Die von den Niederlanden für das kommende Jahr versprochenen 1,5 Tonnen Medizinal-Cannabis, anstelle von 700 Kilo, werden mit Hinblick auf den wachsenden Bedarf auf dem deutschen Markt bei weitem nicht ausreichen, versichert Henn. Vielleicht fürs erste Vierteljahr. Über die Zusage „unseres drogenpolitisch liberaler aufgestellten Nachbarn“ war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zwar seinerzeit schier aus dem Häuschen, der CDU-Politiker lobte aber die „gelebte Nachbarschaft“, obwohl er wusste, dass damit der Bedarf nicht abgedeckt ist. Aus dem Ministerium hieß es, dass die Gesamtimportmenge des gesamten Jahres 2017 in Höhe von rund 1,2 Tonnen schon im ersten Halbjahr 2018 mit rund 1,62 Tonnen überschritten wurde.

Das Kölner Unternehmen ist auf Wachstum eingestellt. Am Standort im Mediapark sind derzeit über 30 Mitarbeiter beschäftigt. „Bis Jahresende planen wir die 50 zu überschreiten. Aktuell suchen wir Mitarbeiter für unsere Büros in Brüssel, London und Montreal“, so Henn.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 27.12.2018 - 20:51 Uhr
Kategorie: Medikamententester News

 

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