Ihr Medikamenten Informationsportal
Wissenswertes für Probanden
Kontaktadressen-Liste für Kliniken

Suchtgefahr durch Medikamente im Fitnessstudio


medicine doping © flashpics / fotolia.com

Doping mit anabolen Steroiden ist in deutschen Fitnessstudios großflächige Praxis. Laut einer Studie sind viele Betreiber zwar davon unterrichtet, jedoch unternehmen sie nur wenig dagegen.

Der 17-jährige Andreas geht noch in die Schule. Zwar hat er Freunde, jedoch mit Mädchen klappte es seit längerer Zeit nicht so recht. Aber Peter (Name geändert) hat seit Kurzem mehr Muskeln, worauf seiner Meinung nach die Frauen stehen. Nun hat Andreas seine „erste Kur“ absolviert. Um muskulöser zu werden, hat er erstmalig verbotene anabole Steroide zu sich genommen.

Die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen führte im Jahre 2014 eine Untersuchung durch über „Medikamentenmissbrauch bei männlichen Kraftsportlern und Bodybuildern  im Breitensport“. Andreas zählte zu den 20 Teilnehmern. Zunächst lehnte er das „Zeug“ kategorisch ab, das sei doch nur etwas für Vollpfosten. Jedoch nun hat er mit seinem Kumpel etwas für drei Monate ausprobiert. Es hat ihn zwar Überwindung gekostet, aber es habe sich gelohnt. „Ich war schon ein bisschen aggro, habe aber sonst keine Nebenwirkungen bemerkt, dafür aber mehr Muskeln gekriegt. Der Bruder von meinem Freund gab uns das Zeug, weil er sich auskennt“.

Jetzt stünden nicht nur die Mädchen auf ihn, auch sei bei Gleichaltrigen sein sozialer Status gestiegen, seit er sichtlich in die Breite gegangen sei, so sein Bericht. Was er aber vermutlich nicht ahnt: Sein Verhalten und seine Aussagen zeigen deutlich, dass er mit hohem Tempo einem Medikamentenmissbrauch verfallen kann. Selbst für den Missbrauch von Tierarzneien stellt er eine Risikoperson dar. Das legt zumindest eine Studie dar, in der Fragen aufgeworfen wurden, warum Sportler Drogen zu sich nehmen, woher sie diese bekommen und wie Fitnessstudio-Betreiber damit umgehen.

Es betrifft nicht nur reine Kraftsport- und Hardcorestudios

Die Untersuchung zeigt, dass gerade in Letzteren die illegalen Praktiken verharmlost werden. Einer der Studiobesitzer meint: „Ich weiß genau, dass bei uns im Studio Anabolika konsumiert wird und weiß auch, wer. Weil ich aber Inhaber bin und die Kundschaft mir nicht vergraulen will, kann ich das ja nicht verbieten. Einschreiten würde ich schon, sollten die das Zeug verticken wollen. Aber weil das alles Erwachsene sind, müssen sie schon wissen, was sie tun.“

Auch ein anderer betont: „Als Besitzer dieses Etablissements habe ich einfach keinen Bock darauf, das Ganze ständig zu kontrollieren. Unter meiner Hand läuft der Laden bereits seit 25 Jahren. Ich persönlich kann es nicht leiden, dass die Politik alles immer transparenter haben muss. In meinem Studio trainieren erwachsene Männer, die genau wie ich nicht belehrt werden wollen.“

Medikamentenmissbrauch ist ein Phänomen innerhalb des Breitensports. Das geht über die Grenzen einfacher Kraftsport- und Bodybuildingstudios hinaus. Demnach kennt jeder Proband andere Missbrauch treibende Hobbysportler. Auch sind in vielen Fitnessstudios anabole Steroide ein Diskussionsthema. Das belegen Ergebnisse der Studie. Sie belegen aber auch, dass Medikamentenmissbrauch kein Verstoß gegen das Fair Play im Sport sei, sondern einfach eine individuelle Angelegenheit. Anabolika konsumierende Sportler fürchten keine Sanktionen, da sie durch die Leitung des Studios nicht kontrolliert werden.

Der Mediziner Martin Hörning als Federführender dieser Untersuchungen, meint, dass das Milieu des Medikamentenmissbrauchs, bedingt durch dieses Umfeld, weiter wachsen werde. Er forscht auf dem Gebiet der Suchtprävention und Gesundheitsförderung und sieht drei generelle Maßnahmen zum Aufhalten dieser Entwicklung:

Fitnesstrainer sollten besser ausgebildet und über die Risiken gezielter aufgeklärt werden. Laut Hörning nehmen einige der Trainer selbst anabole Steroide und unternehmen nichts zum  Schutz ihrer Kunden.

Die Ärzte sollten stärker sensibilisiert werden. Anabolika-Nutzer kommen nämlich mit ihren Nebenwirkungen zu ihnen, etwa mit Bluthochdruck, Haarausfall, starker Akne oder Potenzstörungen. Doch erkennen sie oft nicht den Grund der Beschwerden, den Medikamentenmissbrauch.

Auch werden von der Politik härtere Sanktionen gefordert. Erwerb und Verkauf von Anabolika seien zwar verboten, tatsächlich werde aber gegen Verstöße kaum etwas unternommen.

Laut dem Suchtexperten liegt allerdings die größte Herausforderung in der Überzeugung der Hobbysportler zu der Einsicht, dass der Missbrauch von Medikamenten der Gesundheit viel mehr schadet als nützt. Laut Hörning ist in der Persönlichkeit des Menschen der Grund zu suchen, Anabolika, wie auch alle anderen Drogen, einzunehmen. Dadurch wolle er stärker, schöner und erfolgreicher werden. Die Selbstwirksamkeit als effektivstes Gegenmittel ist deshalb zu stärken.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 22.09.2015 - 21:19 Uhr
Kategorie: Medikamententester News