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Synthetisches Vitamin C - Studie über künstliche Vitaminzusätze


Die Deutschen wollen sich gesund ernähren, deshalb nimmt fast jeder Dritte Vitamintabletten ein. In neuen Studien kamen Forscher zu der Erkenntnis, dass nur die Vitamine in Obst und Gemüse für unsere Gesundheit gut sind und chemisch hergestellte Pillen eher Schaden anrichten können. Wenn wir eine Portion Pommes essen, wird unser schlechtes Gewissen mit einer Vitamintablette beruhigt.

Ist eine Tablette gegen Kopfschmerzen mit Vitamin C versehen, glauben wir, damit unseren Schnupfen bekämpfen zu können. In Werbespots wird uns eingeredet, dass Bonbons – mit Vitamin C angereichert – gut für uns sind. Für die Lebensmittelindustrie sind Vitamine das Weihwasser. Sie haben den Mythos des Heilsamen. Wie eine vertrauensselige Glaubensgemeinschaft sind wir Verbraucher. Das Max Rubner Institut ermittelte 2008 in einer nationalen Verzehrstudie, dass fast jeder dritte Deutsche Vitamintabletten einnimmt und über 800 Millionen Euro pro Jahr dafür ausgegeben wurden. In großen Studien mit Tausenden von Testpersonen wurde festgestellt, dass das Geld wahrscheinlich für umsonst ausgegeben worden ist.

Vitaminzusätze in Lebensmitteln und Pillen verbessern die Gesundheit nicht, bestenfalls bleiben sie wirkungslos. Im Gegenteil, sie können sogar das Risiko für Krebserkrankungen und andere Leiden steigern. Das „Deutsche Ärzteblatt“ schrieb über die Entzauberung der Vitamine: „Das Ende der Hoffnung“. Seit Beginn des 20.Jahrhunderts glaubte man an die Wirksamkeit der Vitamine. Es war bekannt, dass sich zum Beispiel Skorbut, wie sie bei Seeleuten auftrat, mit vitaminreicher Kost heilen ließ. Es wurde erkannt, dass ein Mangel an „Mikronährstoffen“, deren Herstellung im Körper nur begrenzt ist, Menschen krank machen kann. Das sind die Vitamine.

Ab den 1920er Jahren arbeiteten Forscher daran, diese Stoffe zu isolieren und künstlich zu erzeugen. Das Archiv des Pharmakonzerns Hoffmann la Roche wurde von dem Schweizer Historiker Beat Bächi nach Unterlagen über die Anfänge der Vitaminherstellung durchsucht. Er entdeckte, dass damals in einer ganz planvollen Kampagne der Glaube an geradezu wundersame Heilkräfte der Vitamine erzeugt wurde. 1930 gelang es dem Unternehmen, Vitamin C zu synthetisch herzustellen. Man wusste damals allerdings noch nicht, wofür der neue Stoff angewendet werden könnte. Skorbut trat inzwischen immer seltener auf. So wurde von der sogenannten Abteilung für Propaganda des Konzerns kurzerhand eine Krankheit erfunden.

In den Unterlagen fand Bächi die Aussage in einer Textstelle, dass die Firma „das Gros der praktischen Ärzte von Vitaminungläubigen zu - gläubigen beziehungsweise zu Vitaminverschreibern machen wolle. Der Arzt sollte die Möglichkeit erhalten, mit seiner Diagnose den Patienten eine neue Krankheit einzureden. Das wurde von den damaligen Marketingstrategen angemerkt. Bächi schreibt in seinem Buch „Vitamin C für alle“, dass das schädliche Vitamin-C-Defizit, oder auch „Vitamin-C-Hypovitaminose“ genannt, einfach erfunden wurde. Mit dieser Propaganda wurde eine gewaltige Wirkung erzeugt. Als Problem war vorher niemandem eine suboptimale Versorgung mit Vitamin C aufgefallen. Aber jetzt warnten die Fachleute, falls im Körper nicht ausreichend Vitamin C vorhanden sei vor körperlicher sowie geistiger Ermüdung, Schwund der Muskelkraft und Leistungsabfall.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 24.06.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News