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Therapie mit Wurmeiern bei Darmbeschwerden / Colitis ulcerosa


Können bei chronischen Darmerkrankungen Würmer helfen? Einen ungewöhnlichen Selbstversuch hat ein 34-jähriger Patient unternommen. Er litt seit längerem unter der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung  Colitis ulcerosa. In dem Experiment schluckte der Patient Darmwürmer. Nach einigen Monaten linderten sich bei ihm tatsächlich die Beschwerden, sein Gesundheitszustand verbesserte sich deutlich. Die Therapie hat anscheinend funktioniert. Aber die Mediziner warnen dringend davor, diese Selbsttherapie nachzuahmen, denn der Darm könnte durch die Würmer erheblichen gesundheitlichen Schaden erleiden.

In dem Wissenschaftsmagazin „Science Translational Medicine“ wird von Forschern der University School of Medicine in New York von einem ungewöhnlichen Experiment berichtet:  Ein Patient, der unter einer chronischen Darmerkrankung litt, hat die Wurmeier des Peitschenwurms geschluckt in der Hoffnung, dass sie ihm bei der Gesundung helfen. Dem waren Beobachtungen von P’nG Loke und seinem Team vorausgegangen, wonach in denjenigen Ländern Colitis ulcerosa viel seltener festgestellt wurde, wo Infektionen mit Würmern weit verbreitet sind.  In anderen Studien konnte auch nachgewiesen werden, dass Entzündungen durch Würmer durchaus gestoppt und gemindert werden können.

Nachdem der Patient für das medizinische Experiment die Wurmeier des Peitschenwurms (Trichuris trichiura) freiwillig geschluckt hatte, wurde er von den Wissenschaftlern während der Studie betreut. Seine Blutwerte wurden untersucht sowie das Gewebe.  Vor und nach der Einnahme der Wurmeier fanden Untersuchungen statt. Nach einigen Monaten konnte eine deutliche Verbesserung seines Gesundheitszustandes festgestellt werden. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich im Körper des Patienten durch den Wurminfekt Immunabwehrzellen vermehrt haben. Besonders zahlreich hatte sich das Eiweiß „Interleukin 22“ gebildet. Unter anderem ist es für die Heilung und Stabilisierung der Schleimhäute verantwortlich.  Die Wissenschaftler nehmen an, dass durch die Wurminfektion das Immunsystem  zur Bildung von vermehrten Abwehrzellen angeregt worden ist. Dadurch werden die Schleimhäute gestärkt und können den Wurm absorbieren. Andere Wissenschaftler haben die Vermutung, dass von den Würmern selbst wirksame Substanzen abgesondert werden. Tierexperimente brachten Nachweise, dass durch diese Methode auch Beschwerden von Autoimmunerkrankungen, wie beispielsweise Asthma, verbessert werden konnten.

Obwohl die alternative Behandlungsform momentan erfolgreich verlaufen ist, wird von den Wissenschaftlern abgeraten, dieses Experiment selbst auszuprobieren. Auch von den Würmern selbst gehen gesundheitliche Gefahren aus. Die Autoren der Studie befürchten, dass im Darm von den Würmern selbst ausgelöste leichte bis schwere Schäden entstehen können. Zurzeit ist noch nicht geklärt, welchem Patienten die Therapie hilft und wie der weitere Verlauf der Krankheit sein wird. Die Wissenschaftler wollen jetzt damit beginnen, mit solchen Würmern zu experimentieren, von denen eher weniger Gefahren für den Menschen ausgehen.  Solche Würmer befallen zum Beispiel vorwiegend Schweine und sind für Menschen eher ungefährlich. Im menschlichen Körper sterben Schweinewürmer innerhalb 2 Wochen ab und sind nicht auf andere Menschen übertragbar.

Zu vielfachen Entzündungen führt die chronische Darmerkrankung Colitis ulcerosa. Betroffen sind meist der Dick- und Mastdarm. Die Entzündung breitet sich anders als bei der chronisch verlaufenden Erkrankung Morbus Chron  kontinuierlich vom Mastdarm aus. Häufig entstehen im Darm kleinere und größere Geschwüre. Sie müssen mit Hilfe von chirurgischen Eingriffen oder Medikamenten entfernt werden. Die betroffenen Patienten klagen über häufigen Durchfall und Blähungen sowie über akute, starke Bauchschmerzen. Außer diesen Symptomen kommen Begleiterkrankungen wie Sakroiliitis, Spondylitis oder Osteoporose hinzu. Die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Gesellschaft gibt an, dass in Deutschland ca. 168 000 Menschen davon betroffen sind. Bis heute sind die genauen Ursachen der Krankheit nicht geklärt.

Eine Reihe von Therapieformen existieren auch neben den konventionellen Behandlungen aus dem Naturheilkundebereich. Entzündungen können auch durch Einnahme von Myrrhe gehemmt werden. Außer der sehr bitter schmeckenden Myrrhe gibt es aber noch geschmacklich neutralere Präparate. Eine weitere Möglichkeit ist, Lecithin einzunehmen. Es konnte in einigen Studien nachgewiesen werden, dass weniger körpereigenes Lecithin in der Darmschleimhaut bei Erkrankten als bei Gesunden vorhanden ist. Hier sind magensaftresistente Arzneien am besten geeignet, damit der betroffene Dickdarm auch das Lecithin erhält. Da diese Form der Therapie weitgehend unerforscht ist, wird sie noch nicht anerkannt.

Hilfreich für die betroffenen Patienten ist auch eine Umstellung in der Ernährung. Es gibt Nahrungsmittel, die entzündungshemmend wirken können. Das betrifft alle Lebensmittel, die reich an Omega 3 Fettsäuren sind. Auch zeigten einige Studien, dass anthocyanhaltige Blaubeeren lindernd wirken. Viele Patienten fühlten sich besser, wenn sie Nahrungsmittel vermieden oder einschränkend zu sich nahmen, die aggressiv entzündungsfördernd wirken. Sinnvoll ist es für die Betroffenen, wenn sie eine Ernährungsberatung aufsuchen. Diese kann beratend bei der Lebensmittelauswahl helfen, damit kein Nährstoffmangel auftritt.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 06.12.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News