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Thüringer Helfer sollen von der DRK per SMS koordiniert werden


Spontane Hilfe von Menschen kommt zwar gut an, aber Organisationen brauchen im Ernstfall Planbarkeit. Beides will die DRK mit Hilfe einer Online-Datenbank verknüpfen.

Als in Hermsdorf  Anfang September 2015 die ehemalige Logistikhalle für eine Notunterkunft für Flüchtlinge eingerichtet werden sollte, hatten sich die ersten Helfer bereits am selben Tag gemeldet. Das DRK als Betreiber zählte bis Dezember ca. 200 Helfer, welche beispielsweise Kleider sortierten, Decken und Lebensmittel ausgaben oder sich um die Ankommenden kümmerten. So konnten etwa 11000 Stunden Hilfsdienst  zusätzlich von außerhalb organisierten Strukturen gezählt werden. An vielen anderen Orten wiederholte sich Ähnliches. So trafen in Erfurt in zwei Messe-Hallen im Herbst pro Tag Hunderte Flüchtlinge ein und beinahe die gleiche Zahl privater Helfer bot sich an, deren Einsatz allerdings unkoordiniert und uneffektiv ablief.

Das möchte der ehrenamtliche Präsident des DRK-Landesverbandes, Christian Carius mit dem „Team Thüringen“ nun anpacken und besser vorher strukturieren. Künftig können sich hilfsbereite Bürger unter www.teamthüringen.de melden und sich in einer Freiwilligen-Datenbank registrieren lassen. So können sie bei Katastrophen oder „Großlagen“ zum Mitmachen per SMS benachrichtigt werden. Vor kurzem wurde das Projekt nach einem halbjährigen Aufbau offiziell gestartet. Es funktioniert bereits in einem ähnlichen Zuschnitt in Mecklenburg- Vorpommern und Österreich.

Über das Internet-Portal erfolgt schnell der Zugang und die Eingabe von persönlichen Daten inklusive sprachlicher sowie beruflicher Kenntnisse und evtl. die Bereitschaft zu körperlich anstrengenden Diensten (z.B. das Füllen von Sandsäcken). Auch ein Vermerk über Zeiten der Abwesenheit, wo der Helfer nicht zur Verfügung stehen kann (z. B. Auslandsaufenthalt) ist möglich. Steht ein Einsatz an, erfolgt die Aufforderung per SMS aufs Handy. Eine Rückmeldung erfolgt darauf mit „ja“ oder „nein“, auch möglich mit mehr Text. Per E-Mail kommt dann der tatsächliche „Marschbefehl“ mit den konkreten Daten zum Einsatz.

Bastian Wenske, DRK-Referatsleiter sagt, dass auf diese Art alle im Portal registrierten Helfer aus Thüringen quasi per Knopfdruck in Bewegung gesetzt werden können. Bei Ereignissen, die eher regional beschränkt sind, würde sich die Einsatz-SMS auf  betroffene Kreisverbände beschränken. Die Datenbank kann auch nach technischen Fähigkeiten oder Sprachen sortieren und so die in Frage kommenden Helfer informieren.

Carius erklärt, dass damit zwei Entwicklungen zusammengebracht werden sollen. Denn erstens wären immer weniger Leute bereit, sich als Mitglieder dauerhaft an Organisationen, wie zum Beispiel an das DRK, zu binden. Die einst typische Rot-Kreuz-Familie, wenn also die Kinder ihre ehrenamtlichen Eltern zum Vorbild nehmen, werde immer rarer. Zweitens sei aber eine große und spontane Hilfsbereitschaft vorhanden. Sie zeigte sich bei dem Hochwasser 2013: Hier ergriffen private Unterstützer selbst die Initiative, indem sie sich zur Koordination ihrer Einsätze selbst vernetzten, um die Kommunikations-schwächen mancher Kommunen auszugleichen. Referatsleiter Wenske erläutert weiter, dass in einem Katastrophenfall keine Zeit für ein Erfassen und Sortieren von Hilfsangeboten besteht, da alles sehr schnell gehen muss. Andererseits gerate die Struktur des DRK mit ihren ca. 8600 aktiven ehrenamtlichen Helfern bei länger währenden Großeinsätzen an Grenzen.

Helfer müssen auch mal abgelöst werden, wenn sie durchgängig eine Woche im Hochwassereinsatz standen oder bei der Erstaufnahme von Flüchtlingen zwei Wochen hintereinander geholfen haben. Wenn aber Freiwillige gezielt abgerufen werden können, bietet sich ein bislang schwer einzubindendes Potenzial, so Wenske. Es gehe dabei weniger um technisch anspruchsvolle oder eilige Einsätze, sondern um Dinge, die jeder beherrscht. Auch die Frage nach einer Gesetzesregelung für die Freistellung durch den Arbeitgeber – wie bei den Feuerwehrleuten - stelle sich daher nicht, sagt Wolfgang Schubert, DRK-Vorstandschef. Die Helfer müssten ihre Abkömmlichkeit selbst regeln. Wenn aber die freiwilligen Helfer im „Team Thüringen“ aktiviert sind, springt die Gruppenversicherung des DRK bei ihrem Einsatz ein.

Der Chef von Jenoptik, Michael Mertin, lobt das Projekt des DRK, versucht es doch, das bürgerschaftliche Engagement mit Digitalisierung zu verknüpfen. Die Organisation mache sich als „DRK 4.0“ aktiv auf den Weg, in unserer veränderlichen Gesellschaft ihr eigentliches Ziel von Hilfsbereitschaft und Solidarität zu erhalten. Die Jenoptik Mitarbeiter sind bereit, dabei ihre Unterstützung zu geben: Bei der Weihnachtsfeier vom vergangenen Jahr kamen 2000 Euro Spendengelder zusammen. Als Startkapital legte das Unternehmen weitere 5000 Euro für den Datenbankaufbau dazu.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 31.03.2016 - 19:45 Uhr
Kategorie: Medikamententester News