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Tierversuche mit Insekten


Edinburgh. Arzneimittel könnten zukünftig nicht mehr nur an Mäusen und anderen Säugetieren getestet werden, sondern Fliegen und Motten wären eine schnelle, preiswerte Alternative. Bei Medikamententests reagieren Insekten ebenso wie Säugetiere auf mikrobielle Infektionen. Vergangene Woche fand im schottischen Edinburgh ein Kongress der Mikrobiologen statt. Dort wurde von Kevin Kavanagh (National University of Ireland in Maynooth) von dieser Entdeckung berichtet.

Kavanagh sagte, dass bei Säugetieren und bei Insekten die Immunzellen strukturell und in ihrer Funktion gleich sind. Die über 400 Millionen Jahre getrennten evolutionären Wege spielen dabei keine Rolle. Bei dieser Methode brauchte man in Zukunft weniger Säugetiere für Medikamententests, ganz abgesehen von dem finanziellen Aufwand, der weit geringer sein würde. Kavanagh`s Forschung konzentriert sich auf die neutrophilen Granulozyten. Diese sind ein Teil der weißen Blutkörperchen bei Säugetieren und haben gleichzeitig als Fresszellen für die Immunabwehr eine wichtige Aufgabe. (Hämatozyten). Der irische Forscher vergleicht die Granulozyten mit Hämatozyten.

Bei den Blutzellen von Insekten handelt es sich um Hämatozyten. Sie und die Neutrophile haben eine ähnliche Funktion. Die beiden Blutbestandteile gleichen sich bei einer Reaktion auf mikrobielle Erreger. Die Zellen der Säugetiere und die der Insekten können die gleichen Chemikalien produzieren mit ähnlicher Struktur, die sich im Bedarfsfalle zur Zelloberfläche bewegen, um dort den Eindringling unschädlich zu machen. Die Erreger werden von den Immunzellen eingeschlossen, Enzyme werden freigesetzt und die Erreger abgebaut. In der Anfangsphase neuer Medikamententests werden schon Insekten eingesetzt. Allerdings nur im Larvenstadium, worauf sich dann Tests mit Mäusen anschließen.

Kavanagh behauptet, dass selbst Fruchtfliegen (Drosophila), eine Art der Schwärmer (Manducae) und die große Wachsmotte (Galleria mellonella) sich besonders gut für Tests eignen. Die Wirksamkeit von antimikrobiellen Wirkstoffen und die Prüfung von ansteckenden Pilzerregern kann mit derartigen Insekten sehr gut getestet werden. Die Anzahl der sonst benötigten Mäuse ließe sich um 90 Prozent verringern. Außerdem könnten die Versuche sehr viel schneller durchgeführt werden. Insekten liefern Ergebnisse bereits nach 48 bis 72 Stunden. Bei Mäusen erhält man diese erst nach vier bis sechs Wochen.

Um die nötige Sicherheit dieser neuen Form des Medikamententest zu garantieren, muss noch weiter geforscht werden.Besonders was die Ähnlichkeiten zwischen der Reaktion des Immunsystems bei Insekten und Säugetieren betrifft, ist noch viel Forschungsarbeit nötig. Doch Kavanagh ist zuversichtlich, dass es in Zukunft möglich sein, wird mit Insekten als Modellen zu arbeiten, um den verschiedensten menschlichen Krankheiten auf die Spur zu kommen.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 18.06.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News