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Verhütung: Pille für den Mann in Japan entwickelt


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Seit Jahren arbeiten Wissenschaftler daran, auch für den Mann eine Pille zur Verhütung zu entwickeln, denn bislang waren sie nur auf die Anwendung von Kondomen beschränkt. Nun können Forscher aus Japan über Erfolge berichten.

Untersuchungen vergangener Jahre haben ergeben, dass in vielen Ländern – darunter auch in Deutschland, die bevorzugte Variante bei der Verhütung das Kondom und die Pille ist. Frauen können unter einer großen Auswahl von Verhütungsmitteln medizinischer Art und unterschiedlicher Qualität ihre Entscheidung treffen. Deutlich geringer ist die Auswahl für Männer. Da die Verwendung von Kondomen immer ein Sicherheitsrisiko darstellt, kommt nur noch eine Operation in Frage, bei der der Samenleiter durchgetrennt wird. An einer Pille für den Mann wird bereits jahrzehntelang geforscht – bisher ohne Ergebnis.

Bei der Entwicklung der Pille für den Mann sind zwar in den letzten Jahren ab und zu Erfolge gemeldet worden, aber zumeist stellten sich gravierende Nebenwirkungen ein und die Anwendung mußte eingestellt werden. So stoppte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2011 eine Studie zu einer Verhütungsspritze für Männer. Viele Probanden vertrugen die Testosteron-Spritze nicht. Nun kommen neue Nachrichten von japanischen Wissenschaftlern um Masahito Ikawa, Universität Osaka, die bei der Verhütung für den Mann mit Medikamenten entscheidende Fortschritte erreicht hätten. Eine große Rolle habe dabei der Zufall gespielt, so „deutschlandfunk.de“.

Die Wissenschaftler haben angegeben, dass sie eigentlich ein Protein interessiert habe, nämlich Calcineurin. Es spielt eine wichtige Rolle in der Immunabwehr. Dabei bemerkten sie, dass für den Aufbau von Calcineurin nicht nur ein Gen in dem Erbgut der Säugetiere vorhanden ist. Im Sperma lässt sich eines davon ablesen und weckte die Neugier der Forscher. Welche Funktion übt es wohl aus? Speziell für diese Frage wurden Mäuse gezüchtet, bei denen dieses Gen inaktiv war. Eine erwartete gestörte Spermienproduktion stellte sich aber nicht ein, es gab überhaupt keinen Unterschied. Die enttäuschten Wissenschaftler, Masahito Ikawa und sein Team beobachteten, dass die gezüchteten Mäuse keinen Nachwuchs bekamen. Daraufhin betrachteten sie die Spermien genauer mit Hilfe einer Hochgeschwindigkeitskamera, die die Bewegungen der Spermien festhielt. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Spermien über eine steife Geißel verfügten und dadurch keine Durchschlagkraft hatten, die zur Befruchtung eines Eies nötig ist.

Die Wissenschaftler dachten, dass sie daraus ein Verhütungsmittel für den Mann entwickeln könnten. Es war ihnen bekannt aus der Humanmedizin, dass bestimmte Arzneien Calcineurin unwirksam machen können. Bei männlichen gesunden Mäusen wurden diese Mittel ausprobiert und überraschend funktionierte es. Im Fachjournal „Science“ berichten die Wissenschaftler über ihre Erkenntnisse: Vierzehn Tage nach Beginn der Medikamentengabe wurde das Sperma der männlichen Mäuse lahm und die Mäuse unfruchtbar. Jedoch waren die Spermien, nachdem 1 Woche keine Arznei verabreicht wurde, wieder fit und somit die Mäusemännchen wieder zeugungsfähig.

Allerdings wird mit diesem Medikament das Immunsystem beeinträchtigt. Eine Verhütungsmethode mit lahmen Samen wäre denkbar, ist doch das Sperma-Calcineurin ausser bei Mäusen auch bei Männern vorhanden. Nur die Nebenwirkungen sollten nicht unterschätzt werden. Die Humanmedizin wendet die bei den Mäusen wirksame Medizin bei Menschen an, die ein Spender-Organ erhalten haben und das Immunsystem heruntergefahren werden muss zur Verhinderung einer Abstoßung. Die Wissenschaftler wollen ein Medikament entwickeln, welches keine Beeinträchtigung für das Immunsystem darstellt und nur das Sperma-Calcineurin unterdrückt. Dafür kämen Derivate der Immunsuppressiva in Frage. Sie wurden bisher bei der Heranbildung der heute zugelassenen Arzneien verworfen. Sie wirken nicht auf das Calcineurin des Immunsystems. Von diesen Mitteln könnten aber einige für eine Blockierung des Sperma-Calcineurin sorgen. Masahito Ikowa sagt: „Wir wären bereit für die Pille. Auch Männer müssen Verantwortung übernehmen.“


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 19.10.2015 - 18:56 Uhr
Kategorie: Medikamententester News