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Versuche an Menschen ans Licht gekommen


Von amerikanischen Amtsärzten wurden in den vierziger Jahren bei ca. 1300 Testpersonen gezielt Versuche durchgeführt, um zu testen, wie Penicillin auf Syphilis bzw. Gonorrhöe wirkt. Für diese Versuche wurden die Testpersonen von den Ärzten absichtlich infiziert, 83 Menschen sollen daran gestorben sein. Aufgedeckt wurden die Vorgänge im Jahre 2003. Ein Untersuchungsbericht liegt jetzt vor.

Aus dem jetzt bekannt gewordenen Bericht einer Kommission geht hervor, dass die Mediziner aus Amerika sehr wohl um ihr unethisches Verhalten gewusst haben. Für ihre Versuche nahmen sie Insassen aus Gefängnissen und Soldaten aus Guatemala. Sie wollten bei Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhöe (Tripper) und Syphilis die Wirkung von Penicillin erforschen. Erst vor wenigen Jahren waren im Auftrag des Weißen Hauses  (Washington) Untersuchungen über die bekannt gewordenen Vorgänge gelaufen.

Die Professorin für Medizin Anita Allen (Universität Pennsylvania) bestätigt bei der Vorstellung des Berichtes, dass unmenschliches und grausames Verhalten der Ärzte aufgedeckt wurde. Die Menschenrechte wurden schwer verletzt. In Guatemala-Stadt hat die Regierung in dieser Sache eigene Untersuchungen angeordnet.

Damals fanden die Versuche an Menschen mit Zustimmung und Wissen von Mitgliedern der Regierung in Guatemala-Stadt statt. Zwischen 1946 und 1948 sind mindestens 83 Menschen daran gestorben. Die rund 1300 Probanden wurden von den amerikanischen Amtsärzten gezielt mit Syphilis oder Gonorrhöe infiziert. Danach erhielten weniger als 700 eine medizinische Behandlung. Da Penicillin damals noch relativ neu war, wollte man mit dem neuen Wirkstoff die Behandlungsmethoden bei Erkrankten erforschen. Für diesen Zweck wurden zunächst von den Wissenschaftlern Prostituierte aus Guatemala mit Geschlechtskrankheiten infiziert. Anschließend wurden sie mit Testpersonen zusammengebracht. Es steckten sich offensichtlich nur wenige Männer an. Deshalb infizierten die Wissenschaftler schließlich direkt Gefangene, Soldaten und psychisch Kranke einer Nervenheilanstalt mit den Erregern. Inzwischen hat sich die amerikanische Regierung im vergangenen Oktober offiziell für die Menschenversuche bei Guatemala in den vierziger Jahren entschuldigt. Von Präsident Obama wird einen Monat danach die Kommission eingesetzt. Die Vorgänge waren ans Licht gekommen, als 2003 eine Historikerin bei ihren Forschungen  über den Mediziner John C. Cutler auf Hinweise zu diesen Vorgängen gestoßen ist.

Aufgedeckt wurde das Experiment der Jahre 1946 bis 1948 von einem Historiker der Medizin vom Wellesley College in Massachusetts. 696 Frauen und Männer wurden dem Erreger der Syphilis ausgesetzt, indem man sie mit infizierten Prostituierten zusammen brachte. Erfolgte die Infektion nicht, wurde der Erreger gespritzt. Anschließend behandelte man sie mit Penicillin. Auch nach der Entdeckung der Unterlagen blieb unklar, wie viele der Infizierten geheilt werden konnten.

Offenbar hatten die Untersuchungen keine verwertbaren Informationen erbracht und waren  die folgenden Jahrzehnte unter Verschluss gehalten worden. Entsetzt zeigten sich Außenministerin Hillary Clinton und die Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius über die verwerfliche Forschung, die unter dem Vorwand der öffentlichen Gesundheit durchgeführt worden sei.

Präsident Barack Obama entschuldigte sich telefonisch am Freitag bei dem Präsidenten Alvaro Colom aus Guatemala für die Handlungsweise der Forscher. Sie hatten zwar damals eine Genehmigung der Behörden eingeholt, aber nicht von den betroffenen Testpersonen. Jetzt wurden von den amerikanischen Behörden zwei Ermittlungsgruppen gebildet, die die damaligen Vorgänge aufklären sollen. Außerdem sollen sie sicherstellen, dass nach den heutigen Bestimmungen dergleichen nie mehr vorkommen kann.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 10.09.2011 - 12:24 Uhr
Kategorie: Medikamententester News