Ihr Medikamenten Informationsportal
Wissenswertes für Probanden
Kontaktadressen-Liste für Kliniken

Vitamine geraten in die Schlagzeilen: Vitamin D


Vitamintabletten können unsere Gesundheit gefährden, sie haben sich als bittere Enttäuschung erwiesen. Allerdings hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bezüglich des Vitamins D ihre Einschätzung korrigiert. Sie empfiehlt vor allem eine Extraportion dieses Vitamins älteren Menschen. Aber die Empfehlung stößt auf Kritik.

Langjährige Studien  mit den Vitaminen A, E und C haben ergeben, dass diese sich gegen Volksleiden wie Krebs oder Herzkrankheiten kaum wirksam erwiesen haben. Gutes ist wenig zu berichten, im Gegenteil – sie können sogar das Sterberisiko erhöhen. Vitamine sind lange als Gesundbrunnen propagiert worden, das dürfte eine herbe Enttäuschung vor allem auch für die Hersteller sein.

Ob der Körper durch Einnahme von Vitamin D tatsächlich einen Schutz vor vielen Krankheiten aufbaut, wie beispielsweise vor Diabetes, Herzkrankheiten, grippalen Infekten, Krebs, Depressionen oder Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, ist umstritten, ebenso die Höhe der Dosierung.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat in dieser Debatte Stellung bezogen: Sie empfiehlt, für Vitamin D die Aufnahme von bisher 5 Mikrogramm auf 20 Mikrogramm zu erhöhen, das entspricht 800 Internationalen Einheiten (IE). Sie legt darüber hinaus Menschen mit dunkler Hautfarbe und Senioren sowie allen Personen, welche sich wenig im Freien aufhalten ans Herz, Vitamintabletten von Oktober bis April einzunehmen.

Bisher haben Ernährungsexperten aus Deutschland immer betont, dass es möglich sei, über eine gesunde Ernährung alle Nährstoffe, die unser Körper braucht, aufzunehmen. Nun rückt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung von dem alten Dogma ab: Von der Bevölkerung sind ca. 60 % nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt. Anlass für diese Meinungsänderung waren Studien zur Knochengesundheit. Es hat sich gezeigt, dass bei Senioren durch Vitamin D-Tabletten das Risiko für Stürze und Knochenbrüche um 20 – 30 % reduziert wurde. So verlängerten sie sogar die Lebenserwartung der älteren Menschen. Auch der gefürchtete Muskelschwund bei Senioren könnte durch Vitamin-D-Gaben verzögert oder sogar rückgängig gemacht werden. Nicht überall jedoch stößt die neue Empfehlung der DGE auf Begeisterung. Kritiker sagen, dass es noch nicht ausreichend belegt sei, dass ein Einnehmen tatsächlich nötig und auch von Nutzen sei.

Wie steht es nun um das Vitamin D? Wird der Mangel herbeigeredet? Fakt ist, dass die menschliche Nahrung kaum dieses Vitamin enthält. Nur fetter Seefisch, Milch, Eier und Pilze sind vitaminreich. Mit der in Deutschland üblichen Ernährungsweise nimmt der Mensch gerade mal zwei bis vier Mikrogramm täglich auf.  So sollen dem Robert-Koch-Institut zufolge 60% der Bevölkerung mit Vitamin D unterversorgt sein. Durch Sonnenstrahlen könnten sich die Menschen aber zusätzlich mit Vitamin D versorgen. Vitamin D nimmt eine Sonderstellung gegenüber den anderen Vitaminen ein, denn es wird nicht nur über die Nahrung aufgenommen, sondern es bildet sich auch in der Haut. Der Körper erzeugt das Vitamin D mittels UV-B-Strahlen aus Cholesterin.

Die Versorgung mit Vitamin D ist in den Sommermonaten kein Problem. Eine Viertelstunde täglich an der Sonne mit unbekleideten Armen genügt für die Bildung von ausreichend Vitamin D. Allerdings ist bei Benutzung von Sonnencreme zu beachten,  dass ab Lichtfaktor acht die Vitaminproduktion der Haut vollständig blockiert wird. Lässt man den Sonnenschutz weg, riskiert man einen Sonnenbrand, der wiederum Hautkrebs auslösen könnte. Man sollte das alles bedenken und vorsichtig abwägen. In den Wintermonaten gelangt durch den Tiefstand der Sonne nur wenig UV-B-Strahlung auf die Erde und unsere Haut kann kein Vitamin D bilden.

Vitamin D wirkt in unserem Körper auf wichtige Gene: Erbanlagen im Kalzium- und Phosphathaushalt werden an- und abgeschaltet. Es wirkt gewissermaßen wie ein Dirigent auf unseren Knochenstoffwechsel, d.h. bei Erwachsenen bestimmt es die Knochendichte mit und sorgt bei Kindern für ein gesundes Knochenwachstum.

Bei denjenigen Menschen, die im Blut wenig Vitamin D  haben, wurden folgende Krankheiten beobachtet: Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herzinfarkt, auch Brust- und Darmkrebs, Multiple Sklerose, Arthritis, Infekte der Atemwege und Tuberkulose. Unklar bei dieser Beobachtung ist allerdings, ob Vitamin-D-Mangel Ursache dieser Krankheiten ist oder in einem schlechten Gesundheitszustand begründet ist. Es gibt bisher zu wenige Interventionsstudien, die genügend aussagekräftig sind. Bei diesen Studien müssten Probanden jahrelang Vitamin-D-Präparate einnehmen und mit einer Kontrollgruppe ihr Gesundheitszustand verglichen werden.

Es ist auch nicht bewiesen, ob Vitamin D in der Lage ist, das Risiko für Krebs- und Herzkrankheiten zu senken. Das äußert der Ernährungswissenschaftler Jakob Linseisen am Helmholtz-Zentrum, München. Die DGE-Arbeitsgruppe hat unter seiner Leitung die Empfehlungen überdacht.

Allzu große Erwartungen hat auch eine Studie vom Dezember vergangenen Jahres an der Universität Aberdeen gedämpft. An der Studie nahmen über 5000 Probanden teil, alle über 70 Jahre alt. Sie nahmen während der Studie im Zeitraum von zwei bis fünf Jahren Vitamin-D –Präparate, Dosis 800 IE, ein. Es wurde während dieser Zeit  kein Schutz vor Krebs oder Herzkrankheiten registriert.

Der Präsident der DGE, Helmut Heseker – auch Wissenschaftler an der Paderborner Universität – sagt, dass er gemeinsam mit US-Kollegen der Ansicht ist, dass in einem hohen Vitamin-D-Spiegel eher ein indirektes Merkmal für eine gesunde Lebensweise zu sehen ist. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel wäre eher die Folge einer schlechten Gesundheit und nicht die Ursache.

Trotz der Empfehlung der DGE rät auch die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser an der Hamburger Universität von Vitamin-D-Präparaten  ab. Sie und ihr Team halten nach Aufarbeitung der Unterlagen zum Thema Vitamin D und Prävention der Osteoporose die vorliegenden Daten für nicht ausreichend. Sie genügen nicht, um älteren Personen eine generelle Empfehlung zu geben. Allerdings gibt es eine Ausnahme für pflegebedürftige Personen, die sich nicht mehr im Freien aufhalten können. Hier müsste man abwägen, ob es sinnvoll ist, Vitamin-D-Präparate in Kombination mit Kalzium zu verabreichen.

Auf den Paradigmen-Wechsel der DGE haben auch Verbraucherschützer mit Verwunderung reagiert. Angela Clausen, Verbraucherzentrale NRW, sagt, dass in diesem Bereich Studien oft interessengeleitet sind oder evtl. sogar von Vitamin-Firmen gesponsert wurden. Denn seit Jahren wird von den Anbietern ein Mangel an Vitaminen herbeigeredet, aber überzeugende Beweise existieren nicht.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 29.01.2012 - 11:04 Uhr
Kategorie: Medikamententester News

 

Kommentare

Keine Einträge

Kommentar eintragen

Adding an entry to the guestbook
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken. 

(Eintrag wird nach Absenden von der Administration manuell überprüft und freigeschalten!)