Ihr Medikamenten Informationsportal
Wissenswertes für Probanden
Kontaktadressen-Liste für Kliniken

Vorsicht bei Bubble Tea


Seit einiger Zeit sind in Deutschlands größeren Städten sogenannte „Bubble Tea“ Bars eröffnet worden. Diese bieten aus Fernost fruchtige, zurzeit modische Getränke an und haben sich bereits heftige Kritiken eingehandelt. Stellen diese Getränke etwa eine Gesundheitsgefahr besonders für Kinder dar? Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich Kinder an dem Getränk mit den kleinen Kügelchen verschlucken können.  Daher fordert Bundesverbraucherministerim Ilse Aigner (CSU), dass an den Getränken sichtbare Warnhinweise angebracht werden. Außerdem fordert die Opposition zusätzliche Hinweise auf die Inhaltsstoffe.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hatte den ersten Anstoß zu der Debatte forciert. In einer Mitteilung Anfang März dieses Jahres warnten Ärzte davor, dass durch Verschlucken der Perlen eine Lungenentzündung ausgelöst werden könnte, die im schlimmsten Fall zum Lungenkollaps führen kann. Nun schloss sich dieser Meinung auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) an. Bei einer Prüfung stellte sich heraus, dass die bunten Kügelchen in dem Getränk tatsächlich „in die Atemwege von Kleinkindern eindringen können“. Aufgrund dieser Tatsache hat das Bundesverbraucherministerium gefordert, den Bubble Tea nur mit entsprechenden Warnhinweisen zu verkaufen.

Um eine schnelle Umsetzung einzuleiten, werden Verbände und die Lebensmittelüberwachung angehalten, die Bubble-Tea-Anbieter dazu aufzufordern, auf die Gefahren hinzuweisen, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Die Warnhinweise sollten nach Möglichkeit einheitlich sein. Der Sprecher sagte weiter, dass bei der Überprüfung auch das Bundesrisikoinstitut zu der Erkenntnis gelangt sei, dass derartige Warnschilder durchaus nötig sind, die auf die Gefahr des Verschluckens der Perlen hinweisen.

FDP-Ernährungsexperte Hans- Michael Goldmann als Vorsitzender des Ernährungsausschusses des Deutschen Bundestages verlangte ebenfalls eindeutige Warnhinweise und eine klar erkenntliche Kennzeichnung.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Wolfram Hartmann erklärt dazu folgendes: Die Kügelchen haben eine Konsistenz, ähnlich einem Kaugummi. Diese Perlen können Kleinkinder nicht zerbeißen. Saugen die Kinder die Kügelchen mit einem dicken Strohhalm auf, besteht Verschluckungsgefahr. Gelangen sie dann über die Bronchien in die Lunge, kann eine Lungenentzündung ausgelöst werden.

Die Verkäuferin Lo Ming, die in Berlin Bubble Tea verkauft, findet die Debatte „übertrieben“. Sie habe während ihrer gesamten Tätigkeit nicht erlebt, dass sich ein Kind ernsthaft an den Perlen verschluckt hätte. Dem Verbraucherministerium wurden tatsächlich noch keine derartigen Komplikationen gemeldet. Der Sprecher betonte ausdrücklich, dass es derartige Meldungen darüber bisher weder in Deutschland noch im Ausland gegeben habe.

Eltern, die Kinder unter vier Jahren haben, sollten dennoch dieselben Vorsichtsmaßnahmen treffen, die für den Verzehr von Weintraben, Erdnüssen oder Gummibärchen angebracht sind. Bei Kleinkindern besteht bei diesen Dingen immer die Gefahr des Verschluckens, oder sie atmen es ein. Hier sollten die Eltern besonders aufmerksam sein, so der Verbraucherministeriumssprecher.

Der Verbraucherministerin Aigner wird von der Bundestagsfraktion der Grünen vorgehalten, sie habe erst auf Druck der Opposition beim Thema „Bubble Tea“ gehandelt. Die Partei habe erst kürzlich eine kleine Anfrage an die Bundesregierung abgegeben. Bärbel Höhn (Grüne), stellvertretende Fraktionsvorsitzende, sagte im Namen ihrer Partei, dass außer den angekündigten Warnhinweisen auch leicht verständliche Informationen über den Kalorien- und Nährstoffgehalt angegeben werden sollten. Es sei sicher nicht jedem bekannt, dass in vielen Sorten von „Bubble Tea“ der Zuckergehalt doppelt so hoch ist wie in Cola und demnach die Fettleibigkeit fördern kann. Dass das Getränk eine wahre Kalorienbombe ist, müssen Verbraucher erkennen.   Der Ernährungsexperte der FDP schließt sich dieser Meinung an. Goldmann erklärte, die Stiftung Warentest kam bei ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass in nur einem Becher des Perlentees bis zu 30 Stück Würfelzucker enthalten sein können.

Bubble Tea ist keine neue Erfindung.  Er kam vor ca. 27 Jahren in Taiwan erstmals auf den Markt. Zur damaligen Zeit war das Getränk noch ein Naturprodukt mit den Bestandteilen aus grünem, schwarzem oder Olong Tee. Davon ist heute kaum etwas übrig geblieben. Die Perlen entstanden aus dem Stärkemehl der Maniok-Wurzel, die mit Ahornsirup dreißig Minuten gekocht wurde. Die sogenannten „Popping Bobas“ sind ein weiterer Bestandteil. Sie  enthalten Fruchtsirups in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Sie zerplatzen beim Kauen im Mund und sorgen für ein fruchtiges Geschmackserlebnis.

Inzwischen hat „Bubble Tea“ seinen Siegeszug auch außerhalb von Asien angetreten. Es ist  kaum noch etwas übrig von der ursprünglichen Mixtur. Die Getränke enthalten, einem Hersteller zufolge, heute schwarzen oder grünen Tee, sehr stark gesüßt, mit Fruchtsirup und Milch gemixt, zubereitet wie ein Milchshake. Künstliche Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe sind hinzugekommen. Das Hauptproblem, erklärt der Ernährungsforscher Sven-David Müller, sei der stark gesüßte Sirup. Durch ihn wird die Tagesration an Kalorien um ein Drittel gedeckt. Vom ehemaligen Naturgetränk keine Spur mehr. Auch würden die Verbraucher mit der Namensbezeichnung „Tea“ in die „Irre geleitet“. So werde suggeriert, dass es sich um ein Teemixgetränk handele. Außerdem hatte die Stiftung ermittelt, dass es sich bei den Getränken um kein natürliches Teegetränke mehr handele, sondern es sei ein „künstlicher Softdrink mit synthetischen Aromen und Farbstoffen“.

Nach Angaben der Marktforschungsgesellschaft GfK wurden nur von Januar bis April 2012 4,4 Millionen Euro Umsatz mit dem Verkauf von Bubble Tea erzielt. Allerdings nehmen die Marktforscher an, dass dieser Trend nur noch einige Jahre anhalten wird, weil heute die Geschmacksrichtungen noch „relativ neu sind.“ Wenn die erste Welle vorüber ist, werde die Anbieter-Anzahl wieder weniger werden.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 11.08.2012 - 11:48 Uhr
Kategorie: Medikamententester News