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Warum leben Männer meist kürzer als Frauen?


Vermutlich sind die Gene der Mütter für das oft kürzere Leben der Männer verantwortlich. Denn die Söhne erhalten von ihnen ihre Mitochondrien, die Zellkraftwerke, einschließlich ihres Erbguts. Dieses Genom enthält zahlreiche Mutationen, die für das schnellere Altern der Männer verantwortlich sind. Für Frauen sind sie unschädlich. Festgestellt wurde diese Erkenntnis von einem internationalen Forscherteam an Fruchtfliegen. Dauerhafte Veränderungen am Erbgut werden als Mutationen bezeichnet.

Weil die schädlichen Mutationen nur für Männer zutreffen und dem Organismus einer Frau nichts anhaben können, werden diese nicht herausgefiltert, wenn eine Mutter ihre Gene an ihren Nachwuchs vererbt. Im Laufe der Zeit können  sie sich daher im Mitochondriengenom anreichern. Bei den Forschungen an Fruchtfliegen stellte sich heraus, dass viele dieser Mutationen signifikant die Lebensdauer der Männchen verkürzt haben. Demnach habe diese Anreicherung größere Auswirkungen auf Lebensdauer und Gesundheit von Männern, als man bisher vermutet hatte. Die Wissenschaftler berichten im Fachmagazin „Current Biology“ (doi: 10.1016/j.cub.2012.07.018), dass dies wahrscheinlich nicht nur für Fruchtfliegen zutreffe, sondern durchweg im gesamten Tierreich.   

Damian Dowling, Studienleiter der Monash University in Australien erklärt, dass alle Tiere, auch der Mensch, Mitochondrien besitzen. Es sind die Kraftwerke der Zelle, die Nährstoffe in Energie umwandeln und so für alle Körperprozesse den Treibstoff liefern. Eine wichtige Rolle spielen sie auch für das Altern. Die Mitochondrien besitzen im Gegensatz zu anderen Zellbestandteilen ein eigenes, kleines Genom. Dieses wird unabhängig vom Zellkern mittels weiblicher Eizelle übertragen. Dowling erklärt: „Genkopien bekommen Kinder von beiden Eltern. Das Mitochondrien-Erbgut wird jedoch nur von der Mutter weitergegeben.“

Die Wissenschaftler hatten in ihrer Studie das Mitochondriengenom von 13 diversen Fruchtfliegenstämmen untersucht und verglichen. Sie wollten herausfinden, ob sich die  ermittelten genetischen Unterschiede auf das Altern bzw. die Lebensdauer der Tiere auswirkten. Die Forscher haben eine große Anzahl an Mutationen gefunden, die die Lebensdauer verkürzen und das Altern beschleunigen können, jedoch nur bei den Männchen. Obwohl die weiblichen Fruchtfliegen über die gleichen Mutationen verfügten, traten bei ihnen keine der Effekte wie bei den männlichen Fruchtfliegen auf. In weiteren Analysen stellte sich heraus, dass für diesen Effekt nicht nur einige große Mutationen verantwortlich waren, sondern auch viele kleinere. Die Wissenschaftler berichten, dass sich diese in einem Zeitraum von über tausend Generationen angesammelt haben müssten.

Die Evolution sorgt normalerweise dafür, dass im Laufe der Zeit ungünstige Genveränderungen nicht mehr vorhanden sind, weil sie zum Beispiel ein Tier krank machen und seine Fortpflanzung nicht mehr gewährleistet ist. Ebenso werden als Folge schädliche Mutationen nicht weiter vererbt. Anders ist es im Fall der jüngsten Entdeckungen: Nur die Lebenserwartung der Männer wird eingeschränkt, der weiblicher Organismus hat dadurch keinen Nachteil. Dowling erklärt: „Praktisch unbemerkt konnten diese Mutationen durch den Filter  der natürlichen Auslese schlüpfen.“

Naheliegend ist es nach Ansicht der Forscher, dass sich ähnliche Mutationen, die nur beim männlichen Geschlecht wirken, auch im Mitochondriengenom anderer Tierarten angereichert haben.  Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum generell im Tierreich Männchen schneller als Weibchen altern. Dowling sagt weiter, dass die Forschungen darauf hinweisen, dass die Mitochondrien eine „besonders heiße Stelle“ für Mutationen sind, die auf die männliche Gesundheit einwirken. Nun müsse man noch eine Lösung dafür finden, wie die schädlichen Effekte dieser negativen Genveränderungen behoben werden könnten.


Von: Stefan Lübker / Probanden-online.de
Veröffentlicht am: 11.08.2012 - 11:30 Uhr
Kategorie: Medikamententester News