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Weshalb in ein künstliches Koma versetzten? (Samuel Koch)


Samstagabend ist der Kandidat Samuel Koch in der „Wetten, dass …?“ – Veranstaltung in der Messehalle Düsseldorf schwer gestürzt. Seine Wette, über fahrende Autos mit Sprungfedern an den Füßen zu springen, misslang ihm mit schlimmen Folgen für ihn. Seine Verletzungen an der Halswirbelsäule waren so schwer, dass er in ein „künstliches Koma“ versetzt wurde.

Nachdem Samuel Koch am Sonntag im Düsseldorfer Uniklinikum notoperiert wurde, befindet  er sich immer noch in einem kritischen Zustand. Aber Lebensgefahr bestehe für ihn nach wie vor nicht. Weitere Auskünfte waren vom Klinikum nicht zu erfahren.

Viele fragen, was eigentlich ein „künstliches Koma“ ist, warum werden Patienten dahinein versetzt, welche Hilfe wird davon erwartet?

Da ein „künstliches Koma“ kein richtiges Koma ist, ist der Begriff nicht ganz richtig. Dr. Fabian Spöhr erklärt, dass Mediziner in dieser Situation von Sedierung sprechen und nicht von einem künstlichen Koma. Er ist Oberarzt der Kölner Universitätsklinik für  Anästhesiologie und operative Intensivmedizin. Ein künstliches Koma ist also eine Dauer-Betäubungsart, die unterschiedlich eingestellt werden kann.

Spöhr erklärt, dass eine ganz tiefe Sedierung wie eine sehr starke Narkose wirkt. Das gesamte Bewusstsein ist dabei ausgeschaltet. Diese wird aber nur selten angewandt. Mit einer leichten Sedierung sind die Patienten durchaus noch ansprechbar. Eine Sedierung muss nicht immer eine tiefe Bewusstlosigkeit sein. Die Patienten können die Augen öffnen und die Hände drücken.

Für den Körper ist ein „künstliches Koma“ wichtig, um ihn besser vor Stress und anderen äußeren Einflüssen zu schützen. Der Organismus eines Patienten wird somit insgesamt entlastet und Schmerzen gleich mit behandelt. Mediziner verwenden den Ausdruck Analgosedierung.

Viele unterschiedliche Gründe gibt es für ein „künstliches Koma“. So können manche Patienten nicht mehr atmen, andere haben Rückenmarkprobleme – benötigen eine Ruhigstellung. Im Fall von Samuel Koch könnte eine Analgosedierung aus zwei Gründen erfolgt sein: einmal deshalb, weil sein Gehirn in Mitleidenschaft gezogen worden sein könnte und weiterhin, um seine Halswirbelsäule zu stabilisieren. Sein Körper erhält durch die Analgosedierung Zeit, sich zu erholen.

Ohne Anwendung einer Analgosedierung bekäme das verletzte Hirn eine Reihe von Folgeschäden, welche sich später ereignen könnten. Professor Dr. Hermann Wrigge erklärt: „ Wenn der Patient bei Bewusstsein, also auch sein Gehirn aktiv ist, wird es auch mehr durchblutet.“ Wrigge ist stellvertretender Direktor vom Klinikum für Anästhesiologie und Intensivtherapie Leipzig. Durch ein „künstliches Koma“ verbraucht das Gehirn weniger Sauerstoff  und Nährstoffe. Auch besteht immer die Gefahr, dass das Gehirn nach einem Unfall zu schwellen anfängt. Schwellungen können auch im Bereich der Halswirbelsäule auf treten. Unter anderem können einzelne Knochenstücke auf das Rückenmark drücken. Deshalb sei im Fall des Wettkandidaten eine Analgosedierung sinnvoll. Der Heilungsprozess kann so verbessert werden, ohne dass ruckartige Bewegungen oder Husten stören.

Wie sieht es mit der Versorgung des Patienten aus? Ist ein Patient in ein „künstliches Koma“ versetzt worden, wird die Sauerstoffversorgung durch künstliche Beatmung sicher gestellt, eine Magensonde übernimmt die künstliche Ernährung, der Stoffwechsel wird auf diese Weise entlastet. Liegen Patienten länger im „Koma“, wird ein Urin-Katheter angelegt. Außerdem werden die Patienten rundum überwacht, so Wrigge.

Heutzutage ist der künstliche Schlaf eine medizinische Routinemaßnahme. Er wird jährlich mehrere hundert Mal in deutschen Kliniken angewendet. Eine Sedierung kann mehrere Wochen aufrecht gehalten werden unter der Voraussetzung, dass die zahlreichen Körperfunktionen, wie z. B. Atmung oder Speichelabfluss, von außen überwacht bzw. gesteuert werden.

Spöhr sagt, dass natürlich versucht wird, eine Sedierung so kurz wie möglich anzuwenden, weil Risiken nicht auszuschließen sind. Es gäbe aber keine Maximaldauer. Zum Beispiel kann durch die Beatmung eine Lungenentzündung ausgelöst werden, zu den Kollateralschäden gehören auch Magen-Darm-Störungen, so Wrigge.

Um ein „künstliches Koma“ zu beenden, werden die Medikamente beim Patienten abgesetzt, was aber nicht schlagartig passiert. Denn es könnte auch sein, dass beim Absetzen der Medikamente Entzugserscheinungen beim Patienten auftreten. Deshalb erfolgt nach und nach eine Reduzierung. Nach einer Behandlung, die länger angedauert hat, könnte sich der Aufwachprozess ebenfalls verzögern. Durch eine Analgosedierung seien keine Langzeitschäden bekannt, sagt Spöhr.


Von: stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 12.12.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News