Ihr Medikamenten Informationsportal
Wissenswertes für Probanden
Kontaktadressen-Liste für Kliniken

Wie Kritiker die Organspende bewerten


Neue Regelungen gibt es bei der Organspende. Ziel ist es, noch mehr Menschen dazu zu bewegen, ihre Organe nach dem Tod zu spenden. Mit diesem Thema muss sich jeder einzelne kritisch beschäftigen. Kritiker sehen Gründe, die einer Spende entgegen stehen. Betrachtet man sie aber genauer, so sind sie, zumindest aus wissenschaftlicher Sicht, gegenstandslos.

Auf dem Organspendeausweis muss das Einverständnis vermerkt sein,  dass dem Körper Organe bzw. Gewebe entnommen werden darf, nachdem ein Arzt den Tod festgestellt hat. Die Organe und Gewebe sollen einer Transplantation dienen und damit Leben todkranker Menschen gerettet werden. In Deutschland soll künftig jeder Erwachsene regelmäßig abgefragt werden, ob er zustimmt oder nicht. So erhofft sich die Bundesregierung deutlich mehr Spendenbereitschaft als bisher. Aktuell warten hierzulande 12.000 Patienten auf eine Organtransplantation. In Deutschland wurden im Jahr 2011 nach Angabe der Deutschen Stiftung Organtransplantation nur ca. 3.900 Organe gespendet. Es wurden aber mehr als 4050 transplantiert, das heißt also, die Überzahl stammt aus Importen.

Es gilt in den meisten europäischen Ländern die sogenannte „Widerspruchslösung“ bei der Organspende. Konkret heißt das, dem Verstorbenen dürfen Organe entnommen werden, wenn dieser zu Lebzeiten dem nicht ausdrücklich widersprochen hat. Die Angehörigen des Verstorbenen haben in einigen Ländern noch ein Widerspruchsrecht. Es gilt jedoch in Deutschland die „erweiterte Zustimmungslösung.“ Wer nicht ausdrücklich zu Lebzeiten einer Organentnahme zugestimmt hat, kann nicht zum Spender werden. Die Angehörigen des Verstorbenen haben aber die Möglichkeit, einer Spende zuzustimmen, wenn der ausdrückliche Wille des Verstorbenen vermutet wird beziehungsweise ihnen bekannt ist.  

Verstorbene haben in ca. 90 % der Fälle zu Lebzeiten ihren Willen nicht dokumentiert und die Entscheidung liegt bei den Angehörigen, ob Organe entnommen werden dürfen. Diesen unbefriedigenden Zustand soll nun eine Neuregelung ändern. Prognosen zufolge wären 70 bis 75 % aller Deutschen bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Ob sie dann tatsächlich zu Spendern werden, ist aber nicht sicher. Immerhin ist eine Entscheidung etwas anderes als ein Lippenbekenntnis – man muss sich mit der Sache ernsthaft auseinandersetzen.

In Deutschland wird bei einer Organentnahme neben der Zustimmung des Spenders der Hirntod vorausgesetzt. Dieser muss, unabhängig voneinander, von zwei Ärzten dokumentiert werden. Erst dann kann untersucht werden, ob der Dahingeschiedene überhaupt als Spender geeignet ist. Doch hier haken Kritiker bereits ein: Ist ein Mensch wirklich tot, wenn dessen Hirntod diagnostiziert  wurde? Denn immer wieder zweifeln Mediziner die Zuverlässigkeit dieser Diagnose an.

Gegenüber n-tv.de äußerte der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation Professor Günter Kirste: „Weltweit ist der Hirntod das einzige, eindeutig akzeptierte Kriterium, den Tod des betroffenen Menschen festzustellen. In Deutschland gibt es zwar ein paar Ethiker, die dem widersprechen. Wissenschaftlich ist das aber nicht haltbar. Dass die Erde eine Scheibe sei, könne man ebenso behaupten. Der wissenschaftliche Gehalt wäre ähnlich.“ Trotzdem verstehe er die Angst mancher Menschen. Diesen Ängsten könne man nur entgegentreten, indem man ausführlich wissenschaftlich und sachlich aufklärt.

Kritiker behaupten immer wieder, dass bei einem Hirntod der Körper des Betroffenen noch am Leben sei, das Herz schlage noch und der Blutkreislauf sei auch noch intakt. Der Professor antwortet darauf: „Nur weil die Herzfunktion maschinell aufrecht erhalten wird, kann das Herz noch schlagen.“ Das ist wichtig für die Organe, sie müssen für die Organtransplantation möglichst langfristig durchblutet werden.

Aber warum, so die Kritiker weiter, werden vor der Organentnahme den Spendern Narkotika gespritzt? Ist das als ein Eingeständnis der Ärzte zu bewerten, dass sie nicht hundertprozentig genau wissen, ob Schmerzen beim Spender auftreten? Kirste antwortet darauf „Dass es einige Anästhesisten gäbe, die der Meinung sind, Schmerzmittel bei einer Organentnahme geben zu müssen.“ Das sei aber längst nicht mehr überall der Fall. Schmerzmittel seien auch nicht nötig.

Auf ihrer Webseite erklärt die Deutsche Stiftung Organtransplantation ausführlich, wann ein Mensch als „hirntot“ angesehen werden kann und welche Kriterien dafür erfüllt sein müssen. Es wird beispielsweise überprüft, ob die Atmung noch selbstständig intakt ist und ob diverse Reflexe noch reagieren. Auch werden Reaktionen auf starke Schmerzreize geprüft. Kirste sagt, wenn bei einem Patienten der Hirntod festgestellt worden ist, sei absolut ausgeschlossen, dass noch Schmerzen empfunden werden.

Viele Menschen haben Angst davor, dass der Leichnam unansehnlich und verstümmelt nach einer Organentnahme ist. Sie denken dabei weniger an sich selbst, sondern versetzen sich in die Lage ihrer Angehörigen. Kirste sagt dazu, dass man dem Leichnam nicht ansehen könne, dass Organe entnommen wurden. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Die Augen. Wenn die Hornhaut entnommen worden ist, kann man dem Verstorbenen nicht noch einmal in die Augen sehen. Deshalb stimmt eine ganze Reihe von Menschen einer Entnahme der Hornhaut nicht zu. Kirste kann diese Entscheidung nachvollziehen. Im Organspendeausweis gibt es für solche Fälle aber die Möglichkeit, auf Wünsche hinzuweisen. Grundsätzlich kann man einer Organspende zustimmen, aber auch ausdrücklich formulieren, dass man beispielsweise eine Hornhautentnahme nicht gestattet.

Prof. Günter Kirste hält die neue Regelung beim Thema Organspende für einen Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sei noch eine umfassende Aufklärung bei den Menschen nötig. Jeder muss sich selbst ein Bild machen können. Nur auf diese Weise könnte man bei den Menschen Vorbehalte bei der Organspende ausräumen.

Eine Organspende grundsätzlich zu verweigern, gibt es rational gesehen, keinerlei Gründe. Aber die Sorgen und Ängste der Menschen muss man ernst nehmen, sie sind natürlich und verständlich. Zuletzt liegt es nicht nur daran, dass die Frage  „Bereit zur Organspende?“ unmittelbar mit dem Gedanken an das eigene Sterben zusammenhängt. Für die meisten Menschen ist dieser Gedanke mit Angst oder Unbehagen verbunden. Die Frage nach der Organspende ist in Wirklichkeit aber keine Frage nach dem Ableben – sondern eine Frage nach Leben.    


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 11.03.2012 - 08:58 Uhr
Kategorie: Medikamententester News