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Wie sich moralische Einstellung verändern lässt


Schwedische Forscher haben herausgefunden, dass sich Menschen die Welt so hinbiegen, wie es ihnen gefällt. Selbst absonderliche Dinge werden noch gerechtfertigt, an denen sie selbst schuld sind. Das eine fordern sie und das Gegenteil wird getan. Noch gestern vertrat man die eine Meinung, heute schon wieder eine andere. Im Fachmagazin „Plos One“ (Bd.7, S. e4557, 2012) wird diese Flexibilität des Menschen sowie seiner Meinungen mit einer fast schockierenden Deutlichkeit von dem Psychologen Lars Hall und seinem Team von der Universität Lund, Schweden, demonstriert.

160 Probanden wurden gebeten, zu moralischen Fragen Stellung zu nehmen. Von den Forschern wurden anschließend die Antworten derartig manipuliert, dass bei einigen dieser Antworten die Aussage ins Gegenteil verkehrt wurde.  Der größte Teil der Probanden erkannte diese Manipulation gar nicht. Sie rechtfertigten stattdessen in einer anschließenden Debatte ihre moralischen Einstellungen, obwohl sie diese kurz zuvor vehement abgelehnt hatten.

Die Probanden erhielten von den Forschern Fragebögen mit konkreten sowie auch abstrakten moralischen Fragen. Sie sollten diese auf einer Skala mit neun Punkten mit ihrer persönlichen Meinung beantworten. Beispielsweise die Fragen, ob moralische Standards für alle Kulturen gleich sein sollten. Oder ist es ethisch vertretbar, für legalen Sex zu bezahlen? Wie soll der Gewalteinsatz durch Palästinenser und Israelis im Nahostkonflikt beurteilt werden?

Anschließend wurden von den Forschern bei zwei Fragen die Formulierungen derartig vertauscht, dass bei den Antworten das genaue Gegenteil behauptet wurde. Um sich zu versichern, dass alle Aussagen von den Probanden korrekt verstanden worden sind, wurden sie von Hall und seinen Kollegen in Diskussionen verwickelt. Alle Aussagen wurden laut vorgetragen und die Versuchsleiter wiederholten sie deutlich, indem gefragt wurde, ob die gegebene Antwort noch zutreffe.

Von 69 % der Probanden wurde keine der beiden Veränderungen bemerkt.  Wie erwartet, betraf dies vor allem jene Probanden, deren Meinungen weniger gefestigt waren. Ein Drittel der Probanden hatten in ihrer Aussage den größtmöglichen Wert angegeben oder widersprochen. Auch sie haben nicht gemerkt, wenn ihre Antwort ins Gegenteil verändert worden war.

In der Psychologie gilt es beinahe als Binsenweisheit, dass anhand von Meinungen und Einstellungen eine Vorhersage, wie sich Menschen in der einen oder anderen Situation verhalten werden, sehr schwer ist. Die Bestätigung zeigt die Studie von Hall und seinen Kollegen.  Sie zeigt, dass selbst starke Ansichten  fragil sind. Hall sagt, dass anschließend der größte Teil der Probanden sehr beharrlich für Ansichten argumentiert habe, die sie kurz zuvor abgelehnt hatten.

Zu Untersuchungen, für die das Ausfüllen von Fragebögen erforderlich ist, wirft diese Studie außerdem weitere Fragen auf. Hall sagt, dass die Ergebnisse entweder so interpretiert werden müssen, dass viele Teilnehmer der Umfrage  keine richtigen Einstellungen zu den Fragen haben oder Fragebögen sind generell ungeeignet zur Abfrage, angesichts der vielfältigen Meinungen der Menschen.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 10.10.2012 - 22:42 Uhr
Kategorie: Medikamententester News